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Schluß mit dem Quatsch mit Bundesanleihen

Donnerstag, 19. September 2019 um 13:32

Von Bernd Niquet

Vor zwei Wochen habe ich mir die neue langlaufende Bundesanleihe gekauft und diese als guten Schutz in der auf uns zukommenden Negativzins-Welt gesehen. Heute habe ich dazu eine andere Meinung.

Meine Meinungsänderung speist sich aus drei Quellen. Erstens haben wir seitdem einen heftigen Bond-Crash erlebt, den die Öffentlichkeit jedoch gar nicht wahrgenommen hat. Zweitens hat es mich dabei gegruselt wie seit 1987 nicht mehr und drittens habe ich über die Negativzinsen ganz andere Informationen erhalten, als ich sie vorher besaß.

Daher sage ich jetzt auch zu mir selbst: Schluss mit dem Quatsch mit Bundesanleihen.

Die neue Zero-Anleihe bis 2050 hatte ich zu 102,50 gekauft und miterleben dürfen, dass sie anschließend bis auf 107 gestiegen ist. Anschließend ist sie jedoch wie ein Stein abgestürzt und auf knapp über 96 Euro gefallen.

Und dieses Muster haben alle Bundesanleihen je nach Laufzeit in ziemlich gleicher Weise herausgebildet. Sie sind alle senkrecht wie ein Stein gefallen.

Jetzt könnte man natürlich an eine Panikreaktion denken. Dass jetzt der große Crash des Rentenmarktes kommt. Doch nichts dergleichen.

Ich habe mir die Zahlen einmal herausgesucht. Der Bund hat im Laufzeitensegment von 10 bis 30 Jahren ein Anleihevolumen von knapp 750 Milliarden Euro begeben, deren Kurswerte heute sicherlich bei 1 Billion Euro liegen sollte.

Diese 1 Billion Euro an Bundesanleihen ist im Schnitt in der Crash-Woche um etwa 5 Prozent gefallen. 5 Prozent von 1 Billion sind 50 Milliarden. Die langlaufenden Bundesanleihen haben also 50 Milliarden an Wert verloren, das ist ein Viertel mehr als das Klimapaket der Bundesregierung ausmacht.

Diese 50 Milliarden Wertverlust jedoch – und jetzt halten Sie sich fest – haben sich durch Umsätze von nur ein paar zehntausend Euro ergeben. Mehr nicht. Fast alle Anleihen sind komplett umsatzlos geblieben. Nur in der neuen Anleihe gab es ein paar Umsätze mit Kleinstsummen.

Die meisten Anleihen wurden an den Börsen so gestellt, wie ich es das letzte Mal bei Risiko-Aktien nach dem Crash 1987 gesehen habe, beispielsweise 95 zu 106. Sollten so die Anleihen eines Landes wie der Bundesrepublik Deutschland aussehen? Dass man zu 106 kaufen könnte und zu 95 verkaufen? Ich finde nicht, und auf mich wirkt das absolut gespenstisch.

Doch letztlich gibt es eben überhaupt kein Material mehr. Wahrscheinlich sind diese Papiere alle schon komplett von der EZB aufgekauft worden. Und Kaufinteresse hatte außer mir anscheinend auch niemand. What a strange situation.

Irgendwie war dieser Crash also durchaus entlarvend, denn er hat gezeigt: Es gibt überhaupt keinen Markt mehr für Bundesanleihen. Der ist finito. Kaufen geht nicht und wer verkaufen will, muss wahrscheinlich Herrn Draghi persönlich anrufen.

Meine Spekulation, dass bei der Einführung von Negativzinsen auf Privatkonten die Anleger in Bundesanleihen fliehen werden, war also irrig. Denn dat jeht jarnich. Hier sieht es aus wie am Fischstand auf dem Markt am Abend. Denn da findet man höchstens noch ein paar Schuppen, mehr nicht.

Es wird allerdings wohl auch überhaupt keine Negativzinsen geben. Aus Bankenkreisen habe ich nämlich erfahren, dass es sich bei den Negativzinsen der EZB in Höhe von 0,5 Prozent eigentlich nur um eine Drohung handelt. Die Banken bezahlen sie nämlich gar nicht.

Die einen lagern ihre Reserven in riesigen Tresoren in Frankfurt, weil die Versicherungsprämie weit niedriger liegt als der Strafzins, nämlich im Promille-Bereich. Und wer nachweisen kann, dass er der Wirtschaft Kredite gibt, ist ohnehin von den Strafzinsen befreit.

Das alles ist also nur ein großes Geheule, um den Banken Beine zu machen. Und sicher auch, um die Anleger zu Konsumausgaben zu verleiten. So sieht das gegenwärtig aus.

Und wie wird es jetzt weitergehen? Trotzdem in die allgemeine Negativzins-Welt oder doch nur weiter die Nullzins-Welt?

Es wird wohl alles davon abhängen, was sich die bekennende Merkel-Bewunderin Christine Lagarde noch alles einfallen lässt.

Und beim Stichwort „Merkel“ ist ja nun alles möglich. Vielleicht steigt Deutschland ja wie aus der Atomkraft bald auch ganz aus dem Kapitalismus aus, um das Klima zu retten? Dann brauchen wir sowieso kein Geld und keine Zinsen mehr. Dann richten wir uns nur noch nach CO2.

Und vielleicht zwingt man uns gute Deutsche dann, mit unseren Ersparnissen weltweit die CO2-Zertifikate aus dem Markt zu kaufen. Schließlich sind die ja nur unverzinslich und haben keine negative Verzinsung wie die Bundesanleihen.

Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet

 

******* Von Bernd Niquet ist ein neues Buch erschienen *******

Bernd Niquet, „Jenseits des Geldes. VIERTER TEIL“, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2018, 618 Seiten, 18 Euro

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Bernd Niquet erzählt darin die Geschichte vom ungewöhnlichen Leben seines Protagonisten weiter. Auch dieses Mal geht es um die grundlegende Frage, an der der Autor seit mittlerweile drei Jahrzehnten arbeitet, nämlich wie sich das Leben und die Reflexionen darüber im Zeitablauf entwickeln und verändern. Und wie bei jeder echten Entwicklungsgeschichte, so ist auch hier kein Ende absehbar. Die ersten drei Bände von »Jenseits des Geldes« sind in den Jahren 2011 bis 2013 im Engelsdorfer Verlag erschienen, und die nächsten drei Teile existieren bereits in Rohform und werden vom Einbruch der Flüchtlingskrise in die abgeschottete Welt, von anwachsenden Auseinandersetzungen sowie einem niemals für möglich gehaltenen Zerwürfnis handeln.

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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