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Noch etwas ganz Wichtiges

Donnerstag, 26. September 2019 um 14:42

Von Bernd Niquet

Das hier ist meine letzte Kolumne bei voll laufendem Instock-Betrieb. Dennoch werden Sie sie hier auch weiterhin lesen können. Genaueres dazu unten.

*

Heute möchte ich einmal etwas sehr Wichtiges, aber auch Schwieriges ansprechen. Dabei geht es darum, genau zu verstehen, woher unsere gegenwärtigen historisch einmaligen Niedrigzinsen kommen. Und vor allem: woher nicht.

Gegenwärtig geht nämlich die Meinung um, der niedrige und teilweise bereits negative Zins liege nicht primär an der EZB, sondern an einer alternden Bevölkerung in Verbindung mit einem rasanten technologischen Wandel.

Früher hätten die privaten Ersparnisse nicht ausgereicht, um den Kapitalbedarf der Privatwirtschaft zu decken, was zwangsläufig zu einem positiven Zins geführt habe. Heute hingegen sei Kapital gleichsam im Überfluss vorhanden, so dass diejenigen, die es leihen wollen, kaum Zinsen zu bieten haben.

Die Notenbanken wären demnach eher Getriebene des Zinsabstiegs als deren eigentliche Verursacher.

Kann das sein? Die Antwort lautet: Jein. Wichtig ist es hier jedoch, die Ebenen auseinanderzuhalten. Dann zeigt sich nämlich sehr klar: Ja, eine erhöhte Altersvorsorge und geringere Kapitalnachfrage drückt die Zinsen. Doch nein, das erklärt weder Negativzinsen noch überhaupt das gegenwärtig historisch einmalig niedrige Zinsniveau.

Wir sind hier im Bereich der Stock-Flow-Problematik der Ökonomie angelangt, an der viele Betrachtungen der Wirtschaft scheitern, oft sogar diejenigen von professionellen Ökonomen.

Konkret: Die Ersparnisse sind eine Kategorie der Einkommensentstehung. Sie sind eine Stromgröße und beziehen sich auf eine Zeitperiode, beispielsweise sein Jahr.

Investitionen werden jedoch nicht mit Ersparnissen finanziert, sondern mit Geld. Und Geld ist eine Bestandsgröße, eine Vermögensgröße, die periodenunabhängig ist.

Die Höhe der Geldmenge wird durch die EZB in Zusammenarbeit mit den Geschäftsbanken festgelegt. Kauft die EZB Anleihen auf, erhöht sich die Geldmenge, was zu einem Sinken der Zinsen führt.

Die Zinsen werden auf den Vermögensmärkten festgelegt, auf den Märkten für die Stocks, den Stockmarkets. Und nicht im Rahmen der Einkommensbildung durch die Ersparnisse.

Ersparnisse sind zwar ebenfalls zinsreagibel, ihr Einfluss auf die Zinsen ist jedoch minimal. Was man sich leicht klarmachen kann, wenn man überlegt, um wieviel höher das Geldvermögen und die Geldmenge in Deutschland sind als die Ersparnisse eines Jahres.

Die Investitionen haben hier ebenfalls einen Effekt. Bleiben sie aus, drückt das den Zins tendenziell weiter. Doch das kann die gegenwärtige Situation nicht erklären. Zudem muss man berücksichtigen, dass die Unternehmen sich derzeit weit höher verschulden, als sie Kapital für Investitionen benötigen, da es für sie lukrativ ist, mit dem geliehenem Geld eigene Aktien zurückzukaufen, um so ihren Gewinn zu erhöhen.

Der Schurke des Stückes mit den niedrigen und teilweise gar negativen Zinsen ist also die EZB. Oder eben der Retter des Systems, je nachdem, wie man es betrachtet. Die EZB hat Anleihen aufgekauft wie nie zuvor in der Geschichte und deshalb sind die Zinsen gesunken wie nie zuvor.

Da könnten wir Bürger 1000 Jahre lang einen Großteil unserer Einkommen sparen, so etwas kriegen wir Sparer selbst niemals hin. Denn die EZB ist eine Atombombe – und wir haben nur ein paar harmlose Silvesterknaller in den Händen.

Damit bringt man kein System aus dem Gleichgewicht beziehungsweise einen aus der Umlaufbahn zu geraten drohenden Planeten dorthin wieder zurück.

*

So, und jetzt zu Instock. Instock wird zum Monatsende seinen Betrieb einstellen, das heißt, es werden keine Artikel mehr erscheinen und vor allem keine Newsletter mehr verschickt werden.

Die Internetseite bleibt jedoch im Netz und meine Kolumne wird, wie ein oder zwei andere, auch weiterhin hier zu lesen sein, zukünftig jeden Freitag.

Ich möchte an dieser Stelle dem Inhaber von Instock, Wolfgang Tenor, meinen allerherzlichsten Dank für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren und wohl sogar Jahrzehnten aussprechen! Das war schon eine tolle Zeit! Und auch dafür danken, dass mein Kolumne hier weiter erscheinen wird.

Sollten jedoch einmal alle Stricke reißen, so merken Sie sich doch bitte bereits jetzt diese beiden Links vor:

www.wallstreet-online.de/nachrichten/autor/bernd-niquet
www.stock-world.de/analysen/autor/autor.m?source_id=399

Mit den allerbesten Grüßen

Bernd Niquet

 

Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet

 

******* Von Bernd Niquet ist ein neues Buch erschienen *******

Bernd Niquet, „Jenseits des Geldes. VIERTER TEIL“, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2018, 618 Seiten, 18 Euro

Am besten portofrei direkt beim Verlag bestellen: www.engelsdorfer-verlag.de

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Bernd Niquet erzählt darin die Geschichte vom ungewöhnlichen Leben seines Protagonisten weiter. Auch dieses Mal geht es um die grundlegende Frage, an der der Autor seit mittlerweile drei Jahrzehnten arbeitet, nämlich wie sich das Leben und die Reflexionen darüber im Zeitablauf entwickeln und verändern. Und wie bei jeder echten Entwicklungsgeschichte, so ist auch hier kein Ende absehbar. Die ersten drei Bände von »Jenseits des Geldes« sind in den Jahren 2011 bis 2013 im Engelsdorfer Verlag erschienen, und die nächsten drei Teile existieren bereits in Rohform und werden vom Einbruch der Flüchtlingskrise in die abgeschottete Welt, von anwachsenden Auseinandersetzungen sowie einem niemals für möglich gehaltenen Zerwürfnis handeln.

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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