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Vom Raubvogel gerissen

Donnerstag, 20. August 2020 um 10:39

Von Bernd Niquet

Dies ist die Geschichte, wie ich am Mittwoch meinen Jahresurlaub in Coswig an der Elbe erlebte. Coswig ist zwar nicht weit, dafür jedoch der vorherige Satz als Überschrift zu lang, weswegen ich den Raubvogel vorziehen musste. Manchmal ist das Leben wirklich nicht einfach.

Wenn man unterwegs ist, kann man viel lernen. Beim Zuhausebleiben allerdings auch. Man muss nur den Mut haben, einmal richtig hinzusehen. Denn die aktuelle Gegenwart hält wirklich interessante Erkenntnisse für uns bereit.

Die wichtigste scheint mir: Wenn der Mensch sich vernünftig verhält, wenn er keine Tiere massakriert, in seiner natürlichen Umgebung bleibt, keinen biblischen Ausschweifungen frönt und seine Nachbarn nicht mehr nervt, dann bricht anscheinend alles zusammen.

So ist das wohl in unserer Welt von heute.

Was natürlich auch bestens erklärt, warum Sparsamkeit und gesunder Menschenverstand heute keine Chance mehr haben. Denn wer so lebt, wer spart und vernünftig ist, hat seine Zukunft bereits verspielt, bevor sie begonnen hat. Bei den anderen, den Ausgeklinkten, weiß man das hingegen noch nicht.

Tja, und in welcher Phase befinden wir uns heute gerade? Am Ende einer goldenen Zeit oder am Anfang einer neuen Periode, in der der Mensch wieder auf ein Normalmaß geschrumpft ist?

Ich habe meinen Jahresurlaub am vergangenen Mittwoch in Coswig an der Elbe verbracht. Es war wunderbar dort, beinahe vorzeitlich schön. Warum? Weil es dort nichts gibt, weil dort nichts ist, weil dort nichts gemacht wird, dort kaum ein Mensch zu sehen ist und ich mir daher meine Maske bald hinten in die Radlerhose stecken konnte. Das war ein Gefühl, sage ich Ihnen.

So etwas wie Mallorca oder Kroatien ist dort undenkbar. Und ich kann nur sagen, wenn man plötzlich die Flughäfen, die überfüllten Strände und laute Hotels einmal für ein paar Stunden aus dem Kopf herausbekommt, fühlt man sich wie ein neuer Mensch. Dann ist man frei. Aber wer will das schon?

Vorher brauchte ich meine Maske allerdings ein einziges Mal, denn obwohl ich der Einzige in dem wundervollen Fleischerimbiss war, musste das sein. Ich durfte auch meine phantastischen Kochklopse dort nicht essen, weil das von der Gesundheitspolizei verboten war, sondern musste sie im Plastiknapf nebst Plastikgeschirr in der Plastiktüte mitnehmen.

Vor uns Corona und nach uns die Sintflut.

Und so saß ich dann ganz allein mit meinen beiden Bratklopsen am komplett leeren Ufer der Elbe unterhalb des Ortes und grübelte, ob ich meine beiden Gefährten, die ich mittlerweile richtig lieb geworden hatte, tatsächlich vertilgen sollte.

Ich habe mich dann für ein Ja entscheiden und das war wohl auch die richtige Entscheidung. Denn anderweitig hätte ich die anschließende Fahrt über vollkommen leere Felder, die bis zum Horizont reichten, sicher nicht überlebt.

Im Schutz von ein paar Büschen sah ich einen Raubvogel sitzen, der anfing loszuhoppeln, als ich mich näherte, um ihn zu fotografieren. Denn er war anscheinend verletzt und konnte nicht mehr fliegen.

Jetzt stand er plötzlich ohne Schutz mitten auf dem glühend heißen Feld, ohne Nahrung, ohne Wasser und allen Feinden schutzlos ausgeliefert. Ich bin sicher, er hat die nächsten Stunden nicht überlebt.

Aber so löst eben die Natur ihre Probleme. Und ich frage mich, ob wir Menschen, die auch noch Achtzig- und Neunzigjährige an Lungenmaschinen anschließen, der Natur um uns herum überlegen sind? Ich habe große Zweifel.

Ich persönlich würde auf jeden Fall dann, wenn ich nicht mehr von allein kann, lieber von einem Raubvogel gerissen werden, der mir in Sekundenschnelle das Rückgrat durchtrennt und ich dann nichts mehr merke, als den großartigen Errungenschaften der menschlichen Rasse überantwortet zu werden.

Ich diesem Fall bin ich explizit Rassist – und das ist auch gut so.

 

Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet

 

******* Von Bernd Niquet ist ein n e u e s Buch erschienen *******

Bernd Niquet, „Jenseits des Geldes. FÜNFTER TEIL“, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2019, 624 Seiten, 22 Euro

Am besten portofrei direkt beim Verlag bestellen: www.engelsdorfer-verlag.de

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Bernd Niquet und die Flüchtlingskrise. Die Geschichte von Bernd Niquet ist mittlerweile in den Jahren 2015 und 2016 angekommen. Das ist die Zeit des massenhaften und ungehinderten Zustroms von Flüchtlingen nach Deutschland. Die Hauptfigur der Ereignisse muss jetzt nicht mehr wie vorher nur die Lasten seines eigenen Lebens und seiner familiären Verhältnisse schultern, sondern sieht sich darüber hinaus gezwungen, aus sich selbst herauszutreten und sich ganz grundsätzliche weiterführende Gedanken zu machen.

»Immer, wenn die große Mittelmacht auf dem europäischen Kontinent verrückt spielt, resultieren daraus immense Verwerfungen. Wird der wirtschaftlichen Nord-Süd-Teilung zur Eurorettung jetzt auch noch eine kulturelle Ost-West-Spaltung zur Flüchtlingsrettung hinzugefügt? Denn das hieße ja nichts anderes als die bildliche Kreuzigung unseres Kontinents.«

Bernd Niquet ist Jahrgang 1956 und lebt trotz seines Umzugs im vergangenen Jahr weiterhin im selben ruhigen Außenbezirk von Berlin. Die ersten vier Teile von „Jenseits des Geldes“ sind ebenfalls im Engelsdorfer Verlag erschienen, und zwar in den Jahren 2011, 2012, 2013 und 2018.

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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