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Stimmungsschwankungen richtig deuten

Mittwoch, 4. Dezember 2019 um 18:55

Von Thomas Grüner
Aktienanleger dürfen sich über die positive Entwicklung im Börsenjahr 2019 freuen, doch die Anlegerstimmung bleibt angreifbar. Kaum kommt der Monat Dezember nicht gut aus den Startlöchern, schon wirken die sorgenvollen Schlagzeilen wieder etwas bedrohlicher. Keine unmittelbare Einigung im Handelsstreit zwischen China und den USA in Sicht, zudem drohen neue Querelen zwischen Frankreich und den USA im Rahmen des NATO-Gipfels: US-Strafzölle auf Luxusgüter als Reaktion auf die französische Digitalsteuer. Wie sollte man damit umgehen?

Schlechte Stimmung ist nicht neu

Nicht zum ersten Mal im Börsenjahr 2019 reagieren Anleger nervös – selbst wenn die Kursrückgänge relativ gering ausgefallen sind. Im August korrigierten die globalen Aktienmärkte zwischenzeitlich um rund 5 Prozent. Düstere Schlagzeilen breiteten sich aus, zahlreiche Experten sahen im Handelskrieg und der Schwäche im verarbeitenden Gewerbe die Vorboten einer globalen Rezession. Das ging nicht spurlos an den Aktienanlegern vorüber: Allein im Börsenmonat August zogen sie 40,7 Milliarden US-Dollar aus Investmentfonds und ETFs ab. Parallel dazu zeigten sich in einer Umfrage der American Association of Individual Investors nur 21,7 Prozent der Anleger positiv für die Aktienmärkte. Die ZEW-Erwartungen für den Dax erreichten im August 2019 den tiefsten jemals gemessenen Stand seit ihrer Einführung vor 28 Jahren. Einmal mehr stellte es sich jedoch als Fehler heraus, die kurzfristige Marktentwicklung und das daraus resultierende Stimmungsbild als strategischen Ratgeber heranzuziehen.

Bullenmarkt bleibt ungerührt

Auf die trübe Stimmung im August folgten an den globalen Aktienmärkten drei positive Monate mit neuen Rekordniveaus auf breiter Ebene. Anstatt zwangsläufig eine sich selbst erfüllende Prophezeiung in Gang zu setzen – Rückgänge schwächen die Marktstimmung, woraus weitere Rückgänge entstehen – schafft eine trübe Stimmung nicht selten die Grundlage für positive Überraschungen, die Aktienmärkte dynamisch nach oben treiben. Im Endeffekt sind die fundamentalen Rahmenbedingungen natürlich entscheidend, welche durch ihre globale Robustheit ein hervorragendes Börsenjahr 2019 ermöglicht haben. Generell gilt aber: Anleger sollten ihre Erwartungshaltung vor allem auf langfristige Betrachtungen stützen.

Kurzfristige Volatilität übt einen erheblichen Einfluss auf die gegenwärtige Marktstimmung aus, sie sorgt für stark schwankende Umfrageergebnisse und scharfe Kehrtwenden bei Analystenstimmen. Für die eigenen strategischen Entscheidungen, gerade im volatilen Aktienmarkt, sollte dieses hektische Umfeld aber gemieden werden. Aktienmärkte werden letztendlich nachhaltig auch nicht von den Schlagzeilen dirigiert – sie schauen in die Zukunft.

Fazit: Jahresendrallye oder nicht? Würde man eine Umfrage unter deutschen Anlegern starten, ob die Kurse am Jahresende 2019 höher stehen, vielleicht würden 40 Prozent diese Frage per heute bejahen. Vielleicht steigt diese Zahl auf 50 Prozent, falls die nächsten drei Handelstage positiv verlaufen. Es könnten auch nur noch 30 Prozent im Bullenlager verweilen, falls die nächsten Tage negativ verlaufen und das offizielle Korrekturniveau erreicht wird. Wer weiß das schon? Vorausschauende Anleger kümmern sich nicht um kurzfristige Stimmungsschwankungen. Sie analysieren wirtschaftliche und politische Einflussfaktoren und schaffen sich eine faktenbasierte Erwartungshaltung für mindestens die nächsten 12 bis 18 Monate. Nur das ist wirklich sinnvoll!

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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