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Neues Allzeithoch

Donnerstag, 20. Februar 2020 um 17:33

Von Thomas Grüner
Nein, zur Abwechslung geht es heute nicht um die Aktienmärkte. Auch die US-Indizes und mittlerweile der Dax setzen zuverlässig neue Rekordmarken, was im intakten Bullenmarkt jedoch mehr eine angenehme Begleiterscheinung als eine Überraschung darstellen sollte. Es geht um ein Allzeithoch im Jahr 2020, das erst auf den zweiten Blick ersichtlich wird: Gold!

Gold mit Währungsrückenwind

Im September 2011, zum vorläufigen Höhepunkt der Eurokrise, erreichte der Goldpreis ein Allzeithoch von 1.921 US-Dollar pro Feinunze. Der anschließende Bärenmarkt ließ Gold in Richtung 1.000 US-Dollar stürzen, nach einer längeren Konsolidierungsphase wurde nun 2020 im Rahmen der jüngsten Aufwärtsbewegung die Marke von 1.600 US-Dollar erneut geknackt. Das Allzeithoch existiert aber erst dann, wenn man die Euro-Brille aufsetzt: Durch die günstige EUR/USD-Entwicklung stellt die heutige Marke von knapp 1.500 Euro einen neuen Spitzenwert dar. Eine gute Gelegenheit für Anleger, die Vor- und Nachteile eines Goldinvestments zu beleuchten und zwischen Fakten und falschen Mythen zu unterscheiden.

Was kann Gold eigentlich?

Um Erklärungen für kurzfristige Preisschwankungen waren die Finanzmedien noch nie verlegen. Die Angst vor der Ausbreitung des Coronavirus wird oft als jüngste Unterstützung für einen steigenden Goldpreis genannt. Der Begriff „sicherer Hafen“ ist immer schnell zur Hand, wenn eine Schwächephase der Weltwirtschaft vermutet wird. Die wirklichen Vorteile einer Anlageklasse sollten jedoch nicht ausschließlich über die Nachteile alternativer Anlagemöglichkeiten definiert werden. Eine isolierte Betrachtung für Gold zeigt: Es ist ein Rohstoff. Damit stellt Gold für Anleger, die sich auf Aktien, Anleihen und Liquidität konzentrieren, definitiv eine sinnvolle Erweiterung des Anlagespektrums dar. Darüber hinaus gibt es allerdings zahlreiche Eigenschaften, die ein Rohstoff nicht erfüllen kann.

Was kann Gold eigentlich nicht?

Gold stellt keine wirksame Absicherung gegen Aktienmarktvolatilität dar. In den negativen Aktienjahren der vergangenen 40 Jahre erreichte der Goldpreis „nur“ eine ausgeglichene Bilanz. Ebenso gehen die Meinungen auseinander, welche „Schutzfunktion“ Gold im Zusammenhang mit der Zinsentwicklung darstellt. Profitiert Gold nun von niedrigen Zinsen, weil festverzinsliche Anlagen ein wesentliches Kaufargument verlieren und Gold an relativer Attraktivität gewinnt? Oder sind Anleger in einem inflationären Umfeld gut mit Gold beraten, in dem die US-Notenbank wahrscheinlich die kurzfristigen Zinsen erhöhen würde? Ebenso ist im Zusammenhang mit Währungen die Argumentation stark abhängig von der Perspektive. Für die Amerikaner gilt Gold als Schutz gegen eine schwache Heimatwährung, für viele Euro-Investoren ebenfalls. Das Währungspaar EUR/USD hat somit einen schwierigen Job, es allen Anlegern recht zu machen. Am Ende sind die Daten in vielerlei Hinsicht einfach nicht belastbar genug, um die zahlreichen Mythen zu bestätigen, die Gold umgeben.

Fazit: Im Grunde spricht zwar nichts gegen Goldinvestments, im Gegenzug sind viele Kaufargumente allerdings nicht stichhaltig. Gold ist ein Rohstoff, dessen langfristige Werthaltigkeit unbestritten ist – wie stark Gold im Gesamtportfolio eines Anlegers im Fokus steht, ist und bleibt eine individuelle Entscheidung. Wichtig für Anleger ist nur, diese Entscheidung ohne jegliche Emotionalität zu treffen. Denn Emotionen waren schon immer ein schlechter Ratgeber, wenn es um die langfristig erfolgreiche Geldanlage geht.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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