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Corona-Schreck

Donnerstag, 27. Februar 2020 um 16:44

Von Thomas Grüner
Der Coronavirus hält die Aktienmärkte seit Tagen in Atem. Nach dem Bekanntwerden weiterer Fälle in Südkorea, Italien und auch in Deutschland knickten diverse Aktienindizes in den vergangenen Handelstagen buchstäblich ein. Die Berichterstattung erstreckt sich flächendeckend über sämtliche Finanzmedien. Kritische Stimmen werden lauter, dass die Aktienmärkte gerade erst beginnen, das negative Potential des Virus anzuerkennen – und dementsprechend fortgeführte Verluste auf der Hand liegen. Wirklich?

In den vergangenen Tagen hat sich unsere grundlegende Einschätzung nicht geändert: Aktienmärkte können jederzeit von Stimmungsschwankungen mit kurzfristig negativen Auswirkungen getroffen werden, es bleibt jedoch unwahrscheinlich, dass der Coronavirus mittel- und langfristig den globalen Bullenmarkt beenden wird.

Typische Korrektur

Der Kursverlauf der vergangenen Tage zeigt die Eigenschaften einer typischen Korrekturbewegung. Die im Jahresverlauf 2020 bisher erzielten Zuwächse fielen dem rapiden Marktrückgang in nur wenigen Tagen zum Opfer. Aber: Der laufende Bullenmarkt hat seit dem Jahr 2009 zahlreiche Korrekturen dieser Art – teilweise auch mit deutlich kräftigeren Rückgängen – absorbiert und geduldige Anleger immer wieder langfristig belohnt. Es ist jetzt nicht an der Zeit, sämtliche Tugenden über Bord zu werfen, die über Jahre hinweg den Anlageerfolg ermöglicht haben.

Wie wir oft schreiben, werden Bullenmärkte nur auf zwei Arten beendet: Sobald die Mauer der Angst komplett überwunden ist und im Rahmen einer euphorischen Grundstimmung eine unrealistische Erwartungshaltung vorherrscht oder wenn ein unvorhersehbares Negativereignis das Weltwirtschaftswachstum schlagartig massiv abwürgt.

Die vergangenen Tage haben eindrucksvoll gezeigt, wie fragil der Optimismus der Anleger immer noch ist. Wird der Coronavirus aber zum „Keulenschlag“ für die Aktienmärkte? Besonders empfindlich wird es für die Märkte immer dann, wenn sich eine fundamentale Krise weitgehend unerkannt entwickeln kann. In diesem Umfeld werden warnende Stimmen vor substantieller Schwäche ignoriert und die marode Weltwirtschaft mit kreativen Methoden stark geredet – was im aktuellen Umfeld absolut nicht der Fall ist. So zeigt der Aktienmarkt einmal mehr seine typische Funktionsweise: Er preist sämtliche bekannten Informationen schnell ein und wägt diverse Wahrscheinlichkeiten gegeneinander ab.

Rationale Bestandsaufnahme

Noch vor wenigen Tagen haben diverse Aktienindizes neue Allzeithochs erreicht. Seither ist eine typische Korrektur im Gange, die mitunter heftige Auswirkungen auf die Anlegerstimmung haben kann und deren Ende – ebenso wie ihr Beginn – mit exaktem Timing einfach nicht zu greifen ist. Zum aktuellen Zeitpunkt ist das Risiko einmal mehr hoch, von volatilen Märkten auf die falsche Fährte geführt zu werden. Wie immer in emotionalen Marktphasen ist es empfehlenswert, die Anlagestrategie langfristig auszulegen, auf globale Diversifikation zu vertrauen und emotionale Fehlentscheidungen zu vermeiden.

Fazit: Der globale Bullenmarkt besteht mittlerweile seit fast elf Jahren und er bleibt seinem Prinzip treu, auf dem Weg nach oben unzählige emotionale Fallen zu stellen. Die Weltwirtschaft ist robust genug, mit Grippeviren umzugehen – wie die lange Historie mit SARS, Schweinegrippe und anderen Pandemien zeigt. Anleger, die sich diese Robustheit zu Eigen machen, werden beim nächsten Allzeithoch definitiv nicht zu den Verlierern zählen. Cool bleiben lohnt sich fast immer.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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