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Sind Dividenden die Lösung?

Donnerstag, 22. Oktober 2020 um 23:37

Von Thomas Grüner
Die Situation ist nicht neu: Anleger sehen sich mittlerweile seit Jahren mit niedrigsten Zinsen konfrontiert. Wer einen konservativen Weg zu laufenden Erträgen beschreiten will und dabei nicht bereit ist, Kompromisse in Bezug auf Fremdwährungen, Bonität der Emittenten oder langen Laufzeiten einzugehen, wird bei Anleihen kaum mehr fündig werden. Dividendenstarke Aktien stellen eine naheliegende Alternative dar, weshalb viele Experten von der Theorie überzeugt sind, dass der Anstieg der Aktienmärkte in den vergangenen Jahren vor allem den Investoren zuzuschreiben ist, die ihre niedrigen Zinsen gegen hohe Dividenden getauscht haben.

Steigende Aktien durch Dividendenjäger?

Sicherlich dürfte so mancher Privatanleger in den vergangenen Jahren seine Anleihen aufgrund der Perspektivlosigkeit gegen Dividendenaktien getauscht haben, auch institutionelle Investoren sahen sich auf der Suche nach dem „neuen Zins“ zum Umdenken gezwungen. Aber sollte man aus der Zinsentwicklung heraus wirklich flächendeckende Auswirkungen für die Aktienmärkte folgern? Nein, denn die zu Beginn erwähnte Hypothese ist nicht belastbar. Abgesehen davon, dass die Mehrheit der Investoren ihre Vermögensverteilung nicht ausschließlich an die Zinsentwicklung koppelt und institutionelle Investoren ihre Anlagestrukturen nicht so einfach nach Belieben verändern können, spricht die Marktentwicklung eine ganz andere Sprache.

Dividendenaktien hinken hinterher

Wäre die Theorie richtig, dass die Jagd nach Dividenden zur langfristigen Börsenhausse geführt hätte, so müssten dividendenstarke Papiere eine Outperformance für sich verbuchen können. Doch das Gegenteil ist der Fall. Allein im bisherigen Jahresverlauf haben sich Dividendenaktien in US-Dollar gerechnet 13,5 Prozent schlechter entwickelt als der breite Markt. Und auch die langfristige Betrachtungsweise zeigt diesen Zusammenhang. So fällt der MSCI World High Dividend Total Return Index in einer Fünfjahresbetrachtung sogar dann gegen den breiten Markt zurück, wenn man diesen komplett ohne Dividenden betrachtet. In den vergangenen Jahren haben sich dividendenfokussierte Strategien nicht wirklich ausgezahlt, weshalb der Anstieg der Aktienmärkte auch nicht dahingehend begründet werden kann.

Zinsen diktieren Aktienmärkte nicht

Bei genauerer Betrachtung lässt sich ebenso feststellen, dass niedrige oder fallende Zinsen keinerlei Korrelation zur relativen Rendite von Dividendenaktien gegenüber dem breiten Aktienmarkt haben. Der Bullenmarkt von 2009 bis 2020 enthielt immer wieder kurze Zwischenphasen mit einer High-Dividend-Outperformance, der übergeordnete Trend war jedoch, dass diese Werte inklusive aller Dividenden eine deutlich schlechtere Rendite lieferten als der breite Markt.

Wachstumsstarke Aktien, vor allem im Technologiebereich, haben in den vergangenen Jahren eine prägnante Führungsrolle übernommen. Viele Experten sind deshalb mittlerweile auch geneigt, eine neue Theorie zu befolgen, welche niedrige Zinsen als positiven Einflussfaktor für diese Aktienkategorien anführt. Tendenziell bleibt allerdings der grundsätzliche Betrachtungsfehler bestehen, dass Zinsen keinen so starken Einfluss auf die Aktienmärkte ausüben.

Fazit: Grundsätzlich existiert kein Zusammenhang zwischen fallenden oder niedrigen Zinsen und Dividendenpapieren – eine Theorie, an welche viele Marktteilnehmer über Jahre hinweg geglaubt haben. Dividenden sind in Zeiten niedriger Zinsen natürlich besonders attraktiv, bei der Konstruktion eines Aktienportfolios ist allerdings – wie immer – Augenmaß gefragt.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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