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Digitale Ideen und Hindernisse

Freitag, 30. Juli 2021 um 08:38

Von Thomas Grüner
Angesichts der steigenden Beliebtheit der Kryptowährungen überrascht es nicht, dass verschiedene Zentralbanken mit der sogenannten „digitalen Zentralbankwährung“ (CBDC) in das Geschehen einsteigen wollen. Zahlungen erfolgen bereits seit vielen Jahrzehnten elektronisch, was machen diese CBDCs also anders? Welche Form könnten sie annehmen und wodurch würden sie sich von gängigen Kryptowährungen wie Bitcoin unterscheiden?

Bargeldersatz gefragt

Kryptowährungen streben danach, das elektronische Äquivalent zu einer Bargeldübergabe zu sein. Mobile Zahlungs-Apps in US-Dollar sind nutzerfreundlich, sie basieren allerdings auf dem Bankensystem und nutzen dieselben Kanäle wie Schecks oder Überweisungen. Dementsprechend kann es immer noch Tage dauern, bis Zahlungen über mehrere Vermittler abgewickelt und mit dem Bankkonto verknüpft sind.

Kryptowährungen wie Bitcoin operieren außerhalb des Bankensystems und die Abwicklung über die Blockchain geschieht in Echtzeit. Der größte Nachteil der Kryptowährungen besteht allerdings darin, dass sie sehr volatil sind – was sie als Geldersatz so gut wie nutzlos macht. Sogenannte Stablecoins zielen darauf ab, dieses Problem zu lösen, indem sie sich an einen festen Vergleichswert koppeln – beispielsweise auch an den US-Dollar. Werden sie dadurch zu einem glaubwürdigen Tauschmittel? Fed-Chef Jerome Powell sieht Stablecoins eher als „unregulierte Geldmarktfonds“. Den Finanzaufsichtsbehörden ist vor allem die Überprüfung wichtig, ob die hinterlegten Vermögenswerte tatsächlich ausreichend sind, um den Handelswert zu decken. Und insbesondere auch, wie es um die Stabilität der Konstrukte in Krisenphasen bestellt ist. Viele Fragen bleiben hier offen.

Zentralbanken sind gefordert

Die digitale Zentralbankwährung unterscheidet sich von alledem. Es handelt sich dabei nicht um eine neue Währung – CBDC würde weder den US-Dollar, noch den Euro oder das Britische Pfund ersetzen. Es würde einem von der Zentralbank verwalteten digitalen Zahlungssystem gleichkommen. Im Grunde würden Fed, EZB oder die Bank of England damit gegen „Venmo“ antreten – Chinas digitaler Yuan, der sich bereits in der Erprobungsphase befindet. Wir sehen jedoch mehrere Probleme, die darauf hindeuten, dass CBDCs in der entwickelten Welt nicht unmittelbar Einzug halten.

Etwas Bürokratie muss sein

Wer würde CBDC-Konten verwalten? Wären die Zentralbanken beispielsweise für die Überprüfung der Identität der Kontoinhaber verantwortlich? Was bedeutet „selektive Anonymität“? Wie man es auch dreht und wendet, CBDCs würden den Aufgabenbereich der Zentralbanken erheblich erweitern, sie würden nicht nur Banktransaktionen, sondern potentiell alle Transaktionen überwachen. Effektiv könnten sie das Bankensystem verstaatlichen und das partielle Reservesystem beenden. Würden die Zentralbanken dann auch direkt an Haushalte und Unternehmen Kredite vergeben? Um dies abzuwenden, schlägt die EZB vor, die Attraktivität ihrer CBDC-Konten einzuschränken und Beträge zu begrenzen. Unter dem Strich ist der wichtigste Mechanismus in der Geldpolitik die Kreditvergabe der Banken – verzinsliche CBDC-Konten könnten den Zentralbanken ein weiteres Instrument zur Durchführung der Geldpolitik bieten.

Fazit: Mit der Diskussion um digitale Währungen gehen zukunftsfähige Ideen und viele politische Hindernisse einher. Da weder ein kurzfristiger Umbruch noch eine Krise unmittelbar bevorsteht, können Aktienanleger diese Bemühungen also relativ entspannt beobachten.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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