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Der berühmte Blick nach vorne

Donnerstag, 12. August 2021 um 15:10

Von Thomas Grüner
Im Monat August verhielten sich die Schlagzeilen bisher relativ moderat. Wir befinden uns jedoch nicht in einem sorgenfreien „Sommerloch“, denn verschiedene Wirtschaftsindikatoren zeigen eine Verlangsamung der Erholungsbewegung, die COVID-Fälle in der Delta-Variante nehmen zu und die Öl- und Rohstoffmärkte könnten auf ein nachlassendes Wirtschaftswachstum hindeuten. Diese Sorgen werden jedoch aktuell von der Tatsache überstrahlt, dass die Unternehmensgewinne im zweiten Quartal 2021 hervorragend ausgefallen sind.

Wie positiv ist das wirklich?

Zweifelsohne ist es ein gutes Zeichen für die Aktienmärkte, wenn die Unternehmen gesunde Gewinne erwirtschaften. Eine Aufhellung der Marktstimmung ist in vielerlei Hinsicht ebenfalls positiv. Zu denken, dass die Aktienmärkte im August erheblichen Rückenwind erfahren, weil die erzielten Unternehmensgewinne im abgelaufenen Quartal hoch waren, ist jedoch zu kurz gedacht. Der Basis-Effekt spielt für diesen Zeitraum eine wichtige Rolle, weshalb das Gewinnwachstum im S&P 500 von 89,0 Prozent auf Jahressicht natürlich relativiert werden muss. Und wie immer sind die Aktienmärkte nicht so kurzsichtig, um sich von rückwärtsgerichteten Daten leiten zu lassen – sie blicken stets nach vorne, etwa drei bis 30 Monate in die Zukunft, und preisen die erwarteten Ereignisse ein. Das rasante Gewinnwachstum im zweiten Quartal stellt auf Jahressicht keine Überraschung dar, angesichts der extrem schwachen Basis von April bis Juni 2020. Diesen Sachverhalt dürften die Aktienmärkte also längst eingepreist haben, bevor das zweite Quartal 2021 überhaupt begann.

Die Aktienmärkte befinden sich also nicht im Bereich ihrer Allzeithochs, weil die Unternehmen vor einigen Monaten enorm profitabel waren. Sie behalten ihre zukunftsorientierte Sichtweise bei und die Rekordstände verdeutlichen, dass die wahrscheinliche Zukunft nicht aus einem Delta-Varianten-Chaos besteht. Viel eher sehen Aktienmärkte voraus, dass die Gesellschaft zunehmend robuster reagiert und radikale Stillegungen der Wirtschaft vermieden werden können.

Bruttogewinnmargen sprechen für Wachstumswerte

Für den S&P 500 liegen die Bruttogewinnmargen der Unternehmen bei 32,6 Prozent, für den MSCI World Index bei 29,7 Prozent. Sie stellen zwar keine Vorhersage für Aktienrenditen dar, zeigen jedoch den Spielraum der Unternehmen auf, um höhere Kosten und eine nachlassende Nachfrage zu absorbieren und gleichzeitig recht profitabel zu bleiben. Aus unserer Sicht ist das ein guter Grund, insbesondere für Wachstumswerte optimistisch zu sein. Diese weisen tendenziell die größten Bruttogewinnmargen auf und sind bestens positioniert, um weniger dynamische Wachstumsphasen zu meistern. Wenn Märkte langsameres Wachstum erwarten, belohnen sie diejenigen Unternehmen überproportional, die nicht von der wirtschaftlichen Beschleunigung abhängig sind. Die hohen Bruttomargen der Wachstumswerte stellen ein schönes Polster gegen vorübergehenden Gegenwind dar, sei es aufgrund der Delta-Variante, Lieferengpässen, steigenden Rohstoffkosten oder sonstigen Störfaktoren. Es ist kein Zufall, dass Wachstumswerte seit Mitte Mai mit Nachdruck die Führungsrolle gegenüber Value-Werten zurückerobert haben.

Fazit: Aktienmärkte blicken nach vorne, erfolgreiche Anleger folgen diesem Beispiel nach. Die Unternehmensgewinne im zweiten Quartal sorgen zur Abwechslung für positive Schlagzeilen, zukunftsgerichtete Impulse sind allerdings nicht zu erwarten. Der spätzyklische Bullenmarkt wird die Anleger schon bald mit neuen Herausforderungen konfrontieren.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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