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Besser als erwartet

Donnerstag, 18. November 2021 um 22:14

Von Thomas Grüner
Die US-Industrie hat ihre gesamte Produktion im Oktober 2021 um 1,6 Prozent gegenüber dem Vormonat gesteigert und damit die Erwartungen deutlich übertroffen. Der Anstieg im verarbeitenden Gewerbe um 1,3 Prozent gegenüber dem Vormonat übertraf die Schätzungen der Analysten ebenfalls um mehr als das Doppelte.

Für die Aktienmärkte sind diese rückwärtsgerichteten Daten nicht von hoher Relevanz. Sie blicken auf einen Zeitraum, der sich etwa drei bis 30 Monate in die Zukunft erstreckt und halten sich nicht damit auf, was im abgelaufenen Oktober passiert ist. Die Daten eines einzelnen Monats sollten generell nicht überbewertet werden, dennoch ist diese jüngste Entwicklung bemerkenswert. Denn gerade was die Lieferkettenprobleme und die Energieknappheit angeht, war die Stimmungslage der Anleger bezüglich der Industrieproduktion sehr angespannt.

Hohe Gewinnmargen steigern die Ölproduktion

Trotz gestiegener Ölpreise erholte sich die US-Produktion im bisherigen Jahresverlauf eher langsam. Vor allem kleinere Ölproduzenten entschieden sich lieber dafür, ihre Schulden zu tilgen, anstatt in neue Produktion zu investieren. Jetzt kommt allerdings neue Dynamik ins Spiel: Die Öl- und Gasbohrungen in den USA stiegen im Monatsvergleich um 9,3 Prozent. Zum aktuellen Ölpreis von etwa 80 US-Dollar pro Barrel sollte dies nicht verwundern, da die Break-even-Preise in manchen US-Förderregionen im Bereich von 40 US-Dollar pro Barrel liegen. Ebenso zeigen die jüngsten Berichte zur globalen Fördermenge einen dynamischen Anstieg um 1,4 Millionen Barrel pro Tag und der Branchenausblick zur Produktionsmenge fällt bis ins Jahr 2022 positiv aus. Es bleibt abzuwarten, ob sich dieser Trend bewahrheitet, aber der starke Anstieg der Bohrtätigkeit ist ein gutes Zeichen.

Positive Marschroute auch bei Lieferengpässen

Insbesondere die Lieferengpässe in der Halbleiterindustrie sorgten für negative Schlagzeilen. Wie vielfach berichtet konnten die Hersteller von Halbleiter-Chips nicht mit der Nachfrage Schritt halten, was sich auf eine breite Palette von Konsumgütern auswirkte. Besondere Aufmerksamkeit kam den Automobilherstellern zuteil, die mit Produktionsschwierigkeiten zu kämpfen hatten. In den USA stieg die KFZ-Produktion im Oktober um 17,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat an, somit konnte der Abwärtstrend gestoppt werden und einige große Automobilhersteller vermeldeten eine Entspannung bei der Halbleiterversorgung. Parallel dazu ist die Produktion von Halbleitern und verwandten elektronischen Geräten um 1,8 Prozent gegenüber dem Vormonat angestiegen – auf ein neues Allzeithoch.

Das bedeutet nicht, dass es von nun an nur noch bergauf geht, denn gerade die Automobilproduktion ist selbst in normaleren Zeiten recht unbeständig. Es deutet jedoch darauf hin, dass die Branche weitaus besser dasteht, als es die Schlagzeilen vermuten lassen. Anleger sollten auch nicht unterschätzen, dass die Hersteller immer neue Wege finden, um sich im globalen Lieferketten-Dschungel bestmöglich zurechtzufinden.

Fazit: Die guten Oktober-Daten für die US-Industrieproduktion sollten nicht überbewertet werden. Aktienmärkte blicken in die Zukunft und der überwiegende Teil des US-Outputs wird sowieso im Dienstleistungssektor erwirtschaftet. Aber die Energie- und Halbleiterkrise haben in diesem Jahr die Schlagzeilen beherrscht und die Anlegerstimmung nach unten gedrückt. Von daher ist die Beobachtung sehr aufschlussreich, dass die Realität mit hoher Wahrscheinlichkeit besser ausfällt als erwartet – einmal mehr im laufenden Bullenmarkt.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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