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Erkenntnisse für das neue Börsenjahr

Donnerstag, 6. Januar 2022 um 22:31

Von Thomas Grüner
Viele Anleger nehmen den Jahreswechsel gerne zum Anlass, um ihre aktuellen Geldanlagen zu überprüfen und gegebenenfalls über eine Neupositionierung nachzudenken. Wer im Jahr 2021 auf die Aktienmärkte der Industrieländer vertraut hat, der dürfte auf eine sehr gute Jahresbilanz zurückblicken. Welche Erkenntnisse lassen sich aus dieser Entwicklung für das Jahr 2022 ableiten?

Investmentstil weiter entscheidend

Die wichtigste Erkenntnis für das neue Börsenjahr lautet: Wir befinden uns in einer spätzyklischen Bullenmarktphase. Im Jahr 2021 entwickelte sich die Kategorie „Large-Cap Growth“ am besten – Wachstumswerte mit hoher Marktkapitalisierung. Für viele Marktkommentatoren, die über den gesamten Jahresverlauf hinweg eine Führungsrolle der Value-Aktien prophezeiten, dürfte diese Entwicklung eine echte Überraschung darstellen. Dagegen hat sich unsere Sichtweise, dass wir uns in einer Marktphase mit typisch spätzyklischen Eigenschaften befinden, im Jahresverlauf weiter bestätigt.

Korrektur oder Bärenmarkt?

Der COVID-Schock im Frühjahr 2020 kann zwar als technischer Bärenmarkt interpretiert werden, es handelte sich dabei jedoch nicht um einen klassischen „Reset“ des Marktzyklus, der sich typischerweise in einem langen und zermürbenden Bärenmarkt vollzieht. Value-Aktien befinden sich in einem frühzyklischen Marktumfeld tendenziell im Vorteil, aber 2021 erzählt eben eine andere Geschichte. Diese korrekte Standortbestimmung im Marktzyklus wird auch für das Börsenjahr 2022 von entscheidender Bedeutung sein, denn in einem reifer werdenden Bullenmarkt legen Anleger in der Regel großen Wert auf Qualität, Liquidität und hohe Bruttogewinnmargen.

Energiesektor überrascht

Tendenziell wurden die Schlagzeilen im Jahr 2021 vom Technologiesektor beherrscht, welcher mit 29,8 Prozent Zuwachs zu den Zugpferden im MSCI World Index gehörte und sozusagen repräsentativ für qualitativ hochwertige Wachstumsaktien steht. Die beste Performance entfiel jedoch mit 40,1 Prozent auf den Energiesektor! Energieaktien bewegen sich in der Regel mit den Ölpreisen, da die Gewinne der Ölproduzenten stärker vom Rohölpreis als von den Produktionsmengen abhängen. Nachdem die Ölpreise im Jahr 2020 hart getroffen wurden, erholten sie sich im Jahr 2021 deutlich. Im März übertraf der Rohölpreis den Preis vor der Pandemie und stieg über weite Strecken des Jahres weiter an. Die von Europa ausgehende Erdgaskrise im Herbst heizte die Nachfrage nach alternativen Energiequellen, einschließlich Öl, weiter an. All dies führte zu einer durchschlagenden Erholung der Gewinne der Energieunternehmen, die im Jahr 2020 miserabel waren.

Letztendlich hat der Energiesektor nur einen Anteil von 2,7 Prozent am MSCI World Index, weshalb man sich als Anleger auch nicht darüber ärgern sollte, dass nicht ein weitaus höherer Portfolioanteil in den „besten“ Sektor investiert wurde. Eine ausgewogene Diversifikation mit sorgfältig gewählten Über- und Untergewichtungen ist weitaus wichtiger, wobei die Abweichungen zum neutralen Markt stets mit der Standortbestimmung im Marktzyklus in Einklang stehen sollten.

Fazit: Wie immer liefert die Performance der Vergangenheit keine Hinweise auf die Performance der Zukunft. Führungsrollen wechseln, gerade was die Performance einzelner Länder oder Sektoren angeht. Der reife Marktzyklus legt jedoch nahe, dass die Präferenz für Wachstumsaktien auch weiterhin „Zukunft“ hat. Hilfreich wird im Jahr 2022 zudem eine positive Grundeinstellung sein, denn dieser Bullenmarkt ist wohl noch nicht am Ende.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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