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Wenig hilfreiche EZB-Signale

Freitag, 11. Februar 2022 um 17:32

Von Thomas Grüner
Die EZB-Sitzung am vergangenen Donnerstag brachte keine geldpolitischen Veränderungen mit sich, dennoch nahmen viele Marktbeobachter die „rhetorische Kehrtwende“ von Christine Lagarde mit Sorge zur Kenntnis. Schnell steigende Preise wurden nicht mehr als vorübergehend bezeichnet, sondern es war von einer Inflation die Rede, die „länger anhalten könnte als erwartet“. Diese veränderte Rhetorik hat Spekulationen ausgelöst, dass die EZB bald mit Zinserhöhungen beginnen wird, obwohl sie zuvor signalisiert hatte, dass sie sich in diesem Jahr zurückhalten würde.

Allerdings sprechen die Daten, die wahrscheinlich zu dieser Kehrtwende beigetragen haben, gar nicht für eine nachhaltige Veränderung der Inflation. Dies zeigt einmal mehr, dass die Leitlinien der EZB nicht wirklich zuverlässig sind und eine exakte Vorhersage ihrer Verhaltensweise nicht möglich ist.

Energiepreise als Haupttreiber

Mit Sicherheit basiert die Meinungsänderung der EZB auf den unerwartet hohen Inflationszahlen. Die Gesamtinflation in der Eurozone stieg im Januar von 5,0 auf 5,1 Prozent im Jahresvergleich an und übertraf damit den erwarteten Konsens. In einem internationalen Umfeld hoher Inflationsraten wächst zudem der Druck, dem Beispiel anderer Zentralbanken zu folgen und Maßnahmen zu ergreifen. Allerdings sollte im Hinblick auf die europäischen Daten ein wichtiger Punkt nicht vernachlässigt werden: Die Energiepreise erhöhten sich um 28,6 Prozent im Jahresvergleich und stellten somit weiterhin den Haupttreiber der Inflation dar. Die Kerninflation, welche Nahrungsmittel, Energie, Alkohol und Tabak ausschließt, verlangsamte sich im Januar auf 2,3 Prozent im Jahresvergleich und lag damit unter dem Dezember-Wert von 2,6 Prozent.

Seltsamerweise hat die EZB zwar die wirtschaftlichen Auswirkungen der schnell steigenden Energiepreise anerkannt und auch ihre mangelnde Handlungsfähigkeit diesbezüglich zum Ausdruck gebracht, aber die Divergenz zwischen Kern- und Gesamtinflationsraten dennoch nicht erwähnt, als sie ihre „einhellige Besorgnis“ über die steigenden Preise zum Ausdruck brachte. Vermutlich versucht die EZB einfach, sich politisch auszudrücken. Ebenso könnte sie ihre Meinung auch schnell wieder ändern. Bereits am Montag spielte Lagarde die Inflation wieder herunter und sagte: „Es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Inflation mittelfristig dauerhaft und deutlich über unserem Zielwert liegen wird, was eine messbare Straffung erfordern würde“. Was ist von den jüngsten Äußerungen der EZB also zu halten? Das können wir nicht sagen – und auch sonst niemand.

Was zählt für Anleger?

Diese Episode zeigt einmal mehr, warum die Geldpolitik nicht vorhersehbar ist und die Prognosen der Zentralbanken nicht eindeutig sind. Ihre Prognosen – und auch ihre Maßnahmen – ändern sich oft mit der öffentlichen Meinung. Anleger sollten sie also nicht als Navigationshilfe für den zukünftigen Verlauf der Märkte, sondern als Orientierungspunkte ohne Prognosecharakter interpretieren.

Außerdem haben Zinserhöhungen keinen Einfluss auf die aktuellen Preistreiber. Sie werden das Energieangebot nicht erhöhen, den russischen Präsidenten nicht besänftigen und auch keine Probleme in der Lieferkette beheben.

Fazit: Zinserhöhungen werden grundsätzlich als Gefahr für die Märkte wahrgenommen – und zu gegebener Zeit wird auch die EZB dem Beispiel anderer Zentralbanken folgen. Entscheidend für die Märkte ist allerdings weiterhin eine intakte Kreditvergabe der Banken und der gesamte Geld- und Kreditfluss. Lassen Sie sich also nicht zu sehr davon ablenken, was die EZB sagt oder nicht sagt.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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