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Russische Pleite voraus?

Donnerstag, 10. Mrz 2022 um 23:30

Von Thomas Grüner
Die Diskussionen über einen Zahlungsausfall bei russischen Staatsanleihen nehmen zu, nachdem am vergangenen Mittwoch eine Zinszahlung an ausländische Anleihegläubiger nicht geleistet wurde. Sobald die 30-tägige Versäumnisfrist abläuft, kommt es somit zu einem technischen Zahlungsausfall. Namhafte Ratingagenturen bestätigen bereits, dass Russland „unmittelbar“ vor der Staatspleite stehe. Dies weckt Erinnerungen an die russische Zahlungsunfähigkeit im Jahr 1998, die von einer kräftigen Korrektur begleitet wurde. Wie schlimm wird es dieses Mal?

Eine Pleite der technischen Art

Eigentlich ist die russische Staatskasse gut gefüllt, allerdings liegen strukturelle „technische“ Probleme vor. Einerseits hat die russische Zentralbank ein Problem damit, Kuponzahlungen an ausländische Inhaber freizugeben, auf der anderen Seite müssen die westlichen Clearingsysteme die Zahlungen ebenfalls erst einmal akzeptieren – was aktuell aufgrund der verhängten Sanktionen nicht mehr möglich ist. Wer Anleihen in Rubel hält, hat schon heftige Währungsverluste einstecken müssen, die hohe Ausfallwahrscheinlichkeit für Anleihen in Euro oder US-Dollar signalisiert der Markt bereits jetzt durch explodierende Zins-Spreads.

Dennoch dürften die Auswirkungen einer möglichen Zahlungsunfähigkeit Russlands begrenzt sein. Am Ende des Jahres 2021 hielten ausländische Investoren nur 20 Milliarden US-Dollar an russischen Staatsschulden in „Fremdwährung“ (hauptsächlich in US-Dollar und Euro) und rund 41 Milliarden US-Dollar in der „Heimatwährung“ Rubel, die in der Zwischenzeit stark abgewertet wurde. Zum Vergleich: Auf den weltweiten Märkten für Staatsschulden und Währungen werden tägliche Volumina in Billionenhöhe gehandelt.

Das Auslandsengagement in russischen Unternehmensanleihen ist etwas größer und belief sich im September vergangenen Jahres auf rund 75 Milliarden US-Dollar. Allerdings stellt sich die Lage in diesem Segment auch etwas stabiler dar. Die meisten Emissionen fanden außerhalb Russlands statt, zudem verfügen russische Unternehmen über Dollar- und Euro-Bankguthaben im Ausland, um die Schuldenzahlungen zu finanzieren.

Mangel an Überraschungen

Wie immer haben die Märkte die wahrscheinlichsten Szenarien frühzeitig antizipiert und eingepreist. Wir bezweifeln, dass es zu nennenswerten Ansteckungseffekten durch den russischen Zahlungsausfall kommt. Der Vergleich zu den späten Neunzigern ist nicht angebracht. Russland hat sich heute ein „isoliertes“ Problem geschaffen, zudem waren in der Vergangenheit die Anleihemärkte der Schwellenländer vor allem deshalb anfällig, weil sie Fremdwährungsschulden bedienen und gleichzeitig feste Wechselkurse beibehalten mussten, die sie nicht verteidigen konnten. Heute existieren kaum noch Währungsanbindungen und die meisten Schwellenländer haben große Reserven zur Unterlegung ihrer Schulden angehäuft.

Fazit: Russland verfügt offensichtlich über einen großen geopolitischen Fußabdruck. Im Verhältnis dazu ist das russische Wirtschafts- und Finanzsystem allerdings relativ klein und für die globalen Märkte (mit Ausnahme des Energiesektors) nur von geringfügiger Bedeutung. Ob Russland nun offiziell in der Zahlungsunfähigkeit landet oder nicht, eines ist so gut wie sicher: Putins Entscheidung, in ukrainisches Territorium einzumarschieren, wird für viele weitere Jahre dafür sorgen, dass Russland auf der wirtschaftlichen Weltkarte nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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