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Ist die Geldpolitik der EZB gefährlich?

Donnerstag, 11. September 2014 um 08:38

Von Thomas Grüner
Am 05. Juni 2014 kündigte die Zentralbank ein großes „Stützungspaket“ für den Euro an. Im Hinblick auf ihr „Preisstabilitätsmandat“ hat die EZB damals eine Kombination aus unterschiedlichen Maßnahmen getroffen, um ihr langfristiges Inflationsziel von knapp weniger als 2 Prozent Preissteigerung pro Jahr zu erreichen. Dieses Ziel verfehlt die Zentralbank im Moment allerdings gewaltig – die Inflationsrate in der Eurozone ist im August auf 0,3 Prozent gesunken. Von der oft befürchteten „Inflationswelle“ ist nichts zu sehen!

Die damals beschlossenen Maßnahmen waren unter anderem eine weitere Reduzierung der Zinsen, die Ankündigung von TLTRO (targeted longer-term refinancing operations ) – oder einfach gesagt: Sonderkredite für Banken – und Vorbereitungsarbeiten, um den in der Euro-Zone bisher stark unterentwickelten Markt für ABS (Asset Backed Securities) besser zu strukturieren.

Die meisten Analysten hatten damals erwartet, dass die Zinsen weiter gesenkt werden – lediglich überraschend waren die negativen Einlagezinsen. Es ist das erste Mal überhaupt, dass die EZB negative Zinsen auf Überschussreserven verhängt hat. Die Auswirkungen waren bisher aber alles andere als klar und sind auch für die Zukunft nur schwer einzuschätzen. Ironischerweise sind die Überschussreserven der europäischen Finanzinstitute im Juni und Juli im Vergleich zum Vormonat sogar gestiegen!

Die neu eingeführten TLTRO, sollen den Banken helfen, sich noch günstiger als bisher Geld von der EZB zu leihen. Das unter diesen Umständen zur Verfügung gestellte Geld soll speziell dazu dienen, die Kreditvergabe der Banken an die Realwirtschaft zu fördern. Wenn Banken auf diese Mittel zugreifen, müssen sie spezielle Reports an die EZB liefern in denen unter anderem aufgezeigt wird, wie die Mittel konkret eingesetzt werden. Die erste Runde dieser „Sonderkredite“ wird noch in diesem Monat ausgegeben.

Nächste Schritte

Bei der EZB-Sitzung am 04. September gab es dann eine wirkliche Überraschung. Fast alle Analysten erwarteten, dass es keine weitere Senkung der Zinsen geben wird. Falsch vermutet! Leitzins, Spitzenrefinanzierungszins und die Zinsen auf Überschussreserven wurden jeweils um 10 Basispunkte gesenkt. Zudem wurde nochmals bestätigt, dass Anleihekäufe durch die Zentralbank nicht mehr lange auf sich warten lassen. Gründe für den Sinneswandel waren eine weiter gesunkene Inflationsrate und ein niedrigeres Wirtschaftswachstum. Mario Draghi sagte im Anschluss, dass die EZB in Zukunft auch ein Quantitative Easing – also das Aufkaufen von Staatsanleihen – nicht ausschließe.

Die Auswirkungen auf die Märkte waren spürbar – der Euro verlor noch am selben Tag mehr als 1 Prozent gegenüber dem US-Dollar – während die europäischen Aktienmärkte rund 1,5 Prozent zulegen konnten. Die Renditen auf spanische und italienische 10-jährige Staatsanleihen fielen um mehr als 10 Basispunkte und sind jetzt mit 2,36 Prozent in Italien und 2,19 Prozent in Spanien niedriger als 10-jährige amerikanische Staatsanleihen, die mit 2,50 Prozent rentieren.

Fazit: Mario Draghi sitzt zwischen den Stühlen der geldpolitischen Flügel innerhalb der EZB. Er hat sich noch nicht auf eine klare Richtung festlegen lassen. Fraglich bleibt vor allem, ob die Politiker der einzelnen Länder auch mitziehen und die von Draghi geforderten Strukturreformen umsetzen. Die tiefen Zinsen und damit gesunkenen Refinanzierungskosten wirken eher wie ein Ruhepolster und stehen diesem Reformduck damit sogar entgegen. Hier liegt die tatsächliche Gefahr!

 

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Firmengründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments GmbH. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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