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Griechische Pleite mit Kalkül

Donnerstag, 2. Juli 2015 um 08:32

Von Thomas Grüner
Man mag es kaum noch hören. Als erstes Industrieland kann Griechenland seinen Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem IWF nicht nachkommen. Der verzweifelte Kampf um Zeit und Geld ist jedoch noch nicht zu Ende: Die griechische Regierung um Alexis Tsipras hangelt sich von einem rettenden Strohhalm zum nächsten. Stundung der Kredite, Referendum, neue Kompromissvorschläge, neue Deadlines. Das Unvermeidliche wird bis zur letzten Sekunde hinausgezögert.

Hohe Arbeitslosigkeit, erdrückende Staatsschulden, eine extrem schwache Wirtschaftslage und unzählige wirkungslose Reformen – Griechenland taumelt diesem Abgrund schon seit Jahren entgegen. Ohne strukturelle Verbesserungen bleibt der Kampf gegen die Pleite nur ein Spiel auf Zeit. Diese „strukturelle Rettung“ wird wohl auch im Juli 2015 nicht kommen. Endzeitstimmung macht sich breit. Griechische Banken und Börsen schließen vorübergehend die Pforten, Kapitalverkehrskontrollen werden eingeführt, es bilden sich lange Schlangen vor Apotheken und Supermärkten. Eine Gesellschaft in Aufruhr! Szenen, die man in einem europäischen Industrieland nach der Euro-Einführung ganz bestimmt niemals sehen wollte. Die Ursachen dafür sind vielschichtig.

Grundlegende Konstruktionsfehler

Die Gemeinschaftswährung sollte Europa letztendlich einigen, die unterschiedlichen Volkswirtschaften angleichen und den Weg zu großer wirtschaftlicher Stärke ebnen. Eine Illusion, die sich bereits durch die Geschehnisse der vergangenen Jahre zusehends aufgelöst hat. Euro-Krise, politische Uneinigkeit und ein unüberbrückbares wirtschaftliches Gefälle zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten – die offensichtlichen Konstruktionsfehler des Euro offenbarten sich recht schnell und geradezu zwangsläufig. Wenn der Ausgleichmechanismus über flexible Wechselkurse fehlt, kann nur noch über abweichende Zinssätze der jeweiligen Staatsanleihen zwischen den einzelnen Euro-Ländern differenziert werden.

Die für den Euro angestrebte und benötigte Konvergenz zwischen den einzelnen Teilnehmerländern wurde bis ins Jahr 2007 sozusagen „künstlich“ erreicht, ohne die zugrundeliegenden, strukturellen Ungleichgewichte zu beseitigen. Das zwischenzeitliche „Auseinanderdivergieren“ der Euro-Länder war nur eine logische Folge dieser künstlich geschaffenen Angleichung. Die griechische Pleite ist das unvermeidliche Resultat dieser offensichtlichen Fehlkonstruktion – irgendwann reißt das schwächste Glied der Kette.

Die selbe Währung, eine andere Welt

Griechenland und Deutschland repräsentieren beide Extreme dieser Divergenz: Griechische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit werden aktuell mit 15 Prozent verzinst, zwischenzeitlich wurden sogar 37 Prozent erreicht. Der Zugang zum Kapitalmarkt ist und bleibt damit versperrt – selbst das QE-Programm der EZB schließt griechische Staatsanleihen nicht ein. Der Kampf gegen die Schuldenlast wird zur unmöglichen Aufgabe. Deutsche Staatsanleihen werden dagegen praktisch mit Null verzinst – da wirkt eine Schuldenlast von 2 Billionen Euro nicht mehr ganz so bedrohlich. Zwischen der Wirtschaftskraft dieser beiden Länder liegen nun einmal Welten, daran kann auch keine gemeinsame Währung etwas ändern!

Fazit: Die griechische Krise wird nicht zur europäischen Systemkrise. Die griechischen Probleme sind isoliert. EZB und IWF werden eine harte Linie fahren – mit einer Signalwirkung für andere Peripheriestaaten! Griechenland ist nicht das einzige hochverschuldete Land in Europa. Die Märkte werden das wilde Treiben rund um Athen bald gelassener sehen.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Firmengründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments GmbH. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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