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Der große kranke Mann in Europa

Freitag, 12. August 2016 um 08:21

Von Bernd Niquet

Gerade komme ich aus dem Sommerurlaub aus Frankreich zurück, da melden die Medien, dass die Industrieproduktion dort weiter fällt.

Natürlich weiß ich von den industriellen Problemen dieses Landes, von den inneren Konflikten um das Arbeitsrecht und der ausgeprägten Streikmentalität. Doch ich weiß nicht, ob der Kern des Problems nicht weit tiefer liegt.

Ich erinnere mich noch an die Zeit, als in Großbritannien Margaret Thatcher an die Macht kam. Damals wohnte ein guter Freund von mir in London und ich diskutierte mit ihm, ob das vom Grundsatz her nicht vernünftig sei, was diese Frau wollte.

An seine Antwort erinnere ich mich noch heute sehr gut. Er sagte, es sei ja durchaus möglich, dass das wirtschaftlich sinnvoll sei, doch die Menschen würden diese Lösungen nicht wollen – und das sei das Entscheidende.

Genauso wirkt heute Frankreich auf mich. Das beginnt bei der Zwischenlandung in Paris. Air France hat ihre Flugzeiten so eng kalkuliert, dass zum Umsteigen nur 55 Minuten bleiben. Zieht man die Verspätung aus Berlin ab sowie die 15 Minuten, die das Boarding offiziell vor dem Start beendet wird, bleibt nicht viel Zeit.

Dennoch würde man eigentlich gerne wenigstens ein Sandwich für den Weiterflug kaufen, denn an Bord der Air-France-Maschinen gibt es nichts zu essen.

Das allerdings interessiert die Beschäftigten an den Ständen dort nicht. Sie machen ihre Späße miteinander, sind superfreundlich, wenn man schließlich an der Reihe ist. Doch bis man an der Reihe ist, hat es einen fast zerrissen. Nur die Franzosen unter den Wartenden scheinen das völlig normal zu finden.

Das Gleiche beim Autoverleih in Marseille. Ich habe vier Leute vor mir, bei drei Angestellten dort dürfte das eigentlich kein Problem sein. Doch es dauert 40 Minuten, bis ich endlich an der Reihe bin.

Und so geht es die ganzen zweieinhalb Wochen weiter. Es ist in Frankreich einfach normal, seinen Dienst stur nach Vorschrift zu machen. Doch auf den Kunden achten? Fehlanzeige. Njet. Dagegen ist sicherlich selbst Russland ein Service-Paradies.

Die Franzosen haben einfach keinen Bock, zuzulegen und mehr zu leisten. Das ist natürlich grundsätzlich genauso legitim, wie damals Thatcher abzulehnen, allerdings dann ein Problem, wenn man in Konkurrenz zu anderen steht.

Im Tourismus kann man das wahrscheinlich durch ein Savoir-vivre ausgleichen, in der Industrie jedoch keineswegs.

Und schaue ich mir die Preise in Frankreich an, kann es um die Löhne dort nicht so schlimm stehen. Damit scheint mir der Befund eindeutig zu sein: Für das augenblickliche materielle Lebensniveau dort wird einfach zu wenig geleistet. Punktum.

Und ich fürchte, das wird sich niemals ändern. Muss es ja eigentlich auch nicht. Jedes Land kann schließlich frei entscheiden.

Schwierig wird es nur dann, wenn völlig unterschiedliche Länder mit unsichtbaren Eisenketten aneinander geschmiedet worden sind.

Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet

 

******* DAS ENDE EINES LANGEN ZYKLUS *** NEUES BUCH *******

Bernd Niquet, „IN TIEFSTEN SCHICHTEN“, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2015, 327 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-95744-926-9.

Am besten portofrei direkt beim Verlag bestellen: www.engelsdorfer-verlag.de/db/autorwerke.php

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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