21.11.2017 - 23:57 | Lesezeichen | Startseite | Newsletter | Suche | Kontakt | Seite drucken | Sitemap   
 
   

Wo Sie neue
Boom-Börsen finden?!

 

  Geheime Aktien-Gewinnstrategie?!

      Menü

    Home

      Wissen

      Börsen-ABC
      Anlegerrecht


        Twitter & Facebook

        



Anzeige  


 

Suche

 


Kursabfrage

 



 
Kunst im Frühling


 


 

 

 

Können Bitcoins jemals Geld sein?

Donnerstag, 2. November 2017 um 13:31

Von Bernd Niquet

Aus gegebenem Anlass möchte ich heute noch einmal über den Bitcoin schreiben. Denn ich habe sowohl viele Rückmeldungen auf meine zuletzt veröffentlichte Kolumne bekommen als auch zwischenzeitlich gesehen, was unsere Presse dazu schreibt. Und das finde ich einseitig, ungenügend und schlichtweg katastrophal.

Focus Money hat eine Riesengeschichte über den Bitcoin und der Smart Investor sogar eine Extra-Beilage zu diesem Thema. Doch überall wird nur über die technischen Aspekte geschrieben sowie darüber, dass der Bitcoin sich im Vergleich zu unserem heutigen Geld nicht beliebig ausdehnen lässt.

Ich gebe zu, dass diese Tatsache durchaus Charme besitzt. Doch kann das alleinige Knapphalten einer Sache bereits einen Wert schaffen? Und könnte dieses Medium damit sogar zu Geld werden?

Die Geldfunktion ist gewöhnlicherweise durch drei Punkte charakterisiert: Zahlungsmittel, Wertaufbewahrung und Wertmaßstab. Ich denke, man sieht bereits hier, dass der Bitcoin an allen drei Hürden scheitert. Das wirkliche Problem steckt jedoch tiefer.

Bei der Zahlungsmittel- und der Wertmaßstabsfunktion wendet sich die prinzipiell positive Knapphaltung des Bitcoin in sein Gegenteil. Denn er kann dadurch nur ein Zahlungsmittel für wenige sein und ein allgemeiner Wertmaßstab sogar niemals. Mit der Wertaufbewahrung ist es schwierig. So lange, wie die Menschen an den Wert des Bitcoin glauben, hat dieser einen Wert, der allerdings extrem schwankt. Doch sobald das Vertrauen verschwindet, wird er komplett wertlos.

Bei unserem Papiergeld kann so etwas niemals passieren. Denn Papiergeld ist gedeckt durch das, was auf der Aktivseite der Zentralbankbilanz steht. Verluste sind dort ebenfalls denkbar, doch kein Totalausfall.

Man rufe sich dazu in Erinnerung, wann es bisher Währungsschnitte gegeben hat. Das war nur dann der Fall, wenn Geld emittiert wurde, dem kein Gegenwert entsprach, wie beispielsweise bei der Finanzierung von Kriegen oder den Versuchen, die anschließende Not durch Geldemissionen zu überwinden.

Zwei Dinge muss man sich absolut klarmachen. Erstens: Eine Rückkehr zu einer Gold- oder Metalldeckung des Geldes ist heute unvorstellbar. Denn es passt schlichtweg nicht mehr, das Wirtschaftswachstum ist wesentlich stärker gestiegen als die Metallvorräte. Und wichtiger noch: Eine Metalldeckung macht nur in einem System fester Wechselkursen Sinn. Mit flexiblen Wechselkursen, wie wir sie heute haben, ist sie inkompatibel. Denn zu welchen Paritäten sollte da geliefert werden?

Daraus folgt der zweite und noch wichtigere Punkt: Mindestens genauso wichtig wie die Knapphaltung des Geldes ist die Möglichkeit und Fähigkeit, die Geldmenge im Krisenfall abrupt und extrem ausdehnen zu können, weil wir anderenfalls katastrophale Krisen erleben würden. Das wissen wir bereits seit der Peelschen Bankakte von 1844. Ich empfehle, bei Interesse das einmal nachzulesen.

Aus diesem Grunde ist es nicht nur inkompetent und wahnsinnig, auch nur auf den Gedanken zu kommen, in so etwas wie dem Bitcoin tatsächlich einmal eine wichtige Währung zu sehen, sondern es ist auch selbstmörderisch. Und das sogar mit Strangulationsgarantie.

Man überlege sich nur einmal, welche Deflationseffekte damit verbunden wären, den Bitcoin mit seiner heutigen Entwicklung auch nur in einem kleinen Gebiet als primäres Zahlungsmittel zu inthronisieren. Seit Jahresanfang hat sich der Bitcoin im Vergleich zu anderen Währungen mehr als verfünffacht, und damit auch im Verhältnis zu den in diesen Währungen ausgedrückten Preisen.

Spiegelbildlich betrachtet bedeutet das, dass sich die Güterpreise, in Bitcoin ausgedrückt, gefünftelt haben. Wäre nun der Bitcoin die anerkannte Währung, dann müssten jetzt auch die Löhne um vier Fünftel, also um 80 Prozent sinken. Und ob das den Leuten tatsächlich gut gefallen würde?

In der Quintessenz ergibt sich damit: Ein Medium, das aufgrund seiner festgeschriebenen Knappheit entweder extrem an Wert zulegt oder aber abrupt wertlos wird, kann niemals allgemeines Geld sein oder Geld werden. Und es wundert mich sehr, dass nirgendwo von niemandem in keinem einzigen Artikel zum Bitcoin dieser Punkt auch nur ansatzweise gestreift wurde. Aber so ist das eben bei den Journalisten. Das Meiste, was von ihnen kommt, ist Chauffeurswissen. Ich würde sogar sagen, beinahe alles.

(P.S./Erklärung: Nachdem er im Jahr 1918 den Nobelpreis für Physik erhalten hatte, hielt Max Planck in ganz Deutschland Vorträge. Überall trug er den selben Text zur neuen Quantenmechanik vor. Mit der Zeit kannte sein Chauffeur den Vortrag auswendig und schlug Planck vor, selbst den Vortrag zu übernehmen. Und Planck sollte in der vordersten Reihe sitzen und die Chauffeur-Mütze tragen. Das lief auch perfekt. Doch nach einer Weile meldete sich ein Physikprofessor mit einer Frage, worauf der Chauffeur antwortete: „Nie hätte ich gedacht, dass in einer so fortschrittlichen Stadt eine so einfache Frage gestellt würde. Ich werde meinen Chauffeur bitten, die Frage zu beantworten.“)

Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet

******* DAS ENDE EINES LANGEN ZYKLUS *** NEUES BUCH *******

Bernd Niquet, „IN TIEFSTEN SCHICHTEN“, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2015, 327 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-95744-926-9.

Am besten portofrei direkt beim Verlag bestellen: www.engelsdorfer-verlag.de/db/autorwerke.php

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

Anzeige


 


 
 
 
 
 
 
 
       
     


© 1999 - 2016 by instock.de | Mediadaten | Impressum