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Renditeverteilung im Bullenmarkt

Donnerstag, 1. Februar 2018 um 10:17

Von Thomas Grüner
Ein wenig Basiswissen: Viele Bullenmärkte verlaufen sehr typisch und nach einem immer wiederkehrenden Muster. Hätten Sie das gedacht?

Im ersten zeitlichen Drittel eines Bullenmarkts ist die Anlegerstimmung noch über längere Zeit am Boden und es befindet sich wenig Liquidität im Markt. Typischerweise ist beim Übergang von einem Bären- in einen Bullenmarkt eine V-förmige Bewegung zu beobachten. Märkte fallen in der finalen Abwärtsphase scheinbar widerstandslos in sich zusammen und starten dann explosiv in eine neue Bullenphase. Im März 2009 konnte dieser Vorgang zuletzt beobachtet werden.

Im zweiten zeitlichen Drittel eines Bullenmarkts setzt eine gewisse Konsolidierung ein. Die Panik entweicht aus den Märkten und wird durch eine skeptische Grundhaltung ersetzt. Jährlich berechnete Fundamentaldaten stabilisieren sich weiter, verlieren jedoch etwas an Dynamik, weil die Berechnungsgrundlage nicht mehr das absolute Krisenszenario widerspiegelt. Ebenso flacht sich die durchschnittliche Jahresrendite im "Mittelteil“ eines Bullenmarkts ab. Viele Anleger interpretieren diesen Zeitraum deshalb auch als "zähe Seitwärtsphase.“

Im zeitlichen Schlussdrittel eines Bullenmarkts kehrt die Dynamik zurück. Bahnbrechende Fortschritte auf der fundamentalen Ebene sind gar nicht mehr notwendig, um die Kauflaune der Anleger zu stimulieren. Bis zur finalen Euphorie-Phase ist die verbesserte Anlegerstimmung ein wesentlicher Einflussfaktor für anziehende Renditen.

Bullenmärkte in Zahlen

Der S&P 500 bietet sich aufgrund seiner langen Historie als aussagekräftiger Index für diese Betrachtung an. Teilt man die bisherigen Bullenmärkte seit 1932 in zeitliche Drittel ein, ergibt sich nachfolgendes Bild: Im ersten zeitlichen Drittel werden 51 Prozent der Gesamtrendite des jeweiligen Bullenmarkts erwirtschaftet. Dieser hohe Renditeanteil ist vor allem der extrem dynamischen Entwicklung in der Startphase zuzuschreiben, wenn die Differenz zwischen niedriger Erwartungshaltung und weitaus besserer Realität am größten ist. Lediglich 12 Prozent der Gesamtrendite werden im moderaten "Mittelteil“ des Bullenmarkts realisiert, die verbleibenden 37 Prozent entfallen auf das letzte zeitliche Drittel.

Ohne das Enddatum des aktuellen Bullenmarkts zu kennen, ist eine exakte Zuordnung für 2018 natürlich nicht möglich. Sicher ist jedoch: Wir befinden uns 2018 im reifen Bullenmarkt, welcher typischerweise von einer erhöhten Volatilität geprägt ist. Der Übergang von zäher Seitwärtsphase zu dynamischem Finale ist in vollem Gange und stark abhängig vom Blickwinkel gerade die Währungsentwicklung hat in 2017 zu einer sehr selektiven Wahrnehmung der globalen Märkte geführt. In Europa sind die Anleger längst nicht so positiv gestimmt wie in den USA.

Selbst ein marktbreiter Index wie der S&P 500 hat es in seiner gesamten Historie in 37 Prozent aller Kalenderjahre geschafft, eine Performance von 20 Prozent oder mehr zu erreichen! Zum einen sollte man also die grundsätzliche Dynamik der Aktienmärkte nicht unterschätzen. Zum anderen ist der Einflussfaktor "Marktstimmung“ im reifen Bullenmarkt mächtiger, als es viele Marktteilnehmer wahrhaben wollen.

Fazit: Für 2018 ist der gestiegene Optimismus noch kein deutliches Warnsignal, wie es oft in den Medien thematisiert wird. Eine sorgfältige Analyse der Marktstimmung wird jetzt jedoch zunehmend wichtiger. In der echten Euphorie wird es derartige Warnungen vor "zu guter Stimmung“ kaum noch geben.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Firmengründer und Chief Investment Officer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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