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Wer bekriegt hier eigentlich wen?

Donnerstag, 22. Mrz 2018 um 10:29

Von Thomas Grüner
Donald Trump sorgt nicht nur mit geplanten Einfuhrzöllen auf Stahl und Aluminium für Wirbel, auch die angekündigten Sanktionen gegen China versetzen Anleger in große Unruhe. Trump wird in der gesamten Diskussion gerne als „Initiator“ des Handelskriegs dargestellt seine emotionalen Auftritte und seine aggressive Twitter-Rhetorik lassen diese Vermutung auch naheliegend erscheinen. Allerdings ist er nicht der erste US-Präsident, der zahlreiche Einfuhrzölle und Handelsbeschränkungen durchgesetzt hat. Nur wussten seine Vorgänger sich diplomatischer auszudrücken. Ebenso zeigt ein genauer Blick auf die „Gegner“ der USA: Protektionismus ist kein Thema, das Donald Trump erfunden hat.

Restriktive Europäische Union

Innerhalb der Zollunion der EU gilt ein einheitliches System von Einfuhrzöllen, das zahlreiche Aufgaben zum Schutz der europäischen Bürger erfüllen soll. Schutz des Binnenmarkts, Schutz der Umwelt, Schutz vor Nachahmungen letztendlich auch zum Schutz des eigenen Lohnniveaus. In der Summe zeigt sich die EU weitaus „protektionistischer“ als die USA, wie auch die Welthandelsorganisation WTO festgestellt hat. Auf importierte US-Automobile erhebt die EU 10 Prozent Zoll, umgekehrt sind es nur 2,5 Prozent dieses plakative Beispiel wird in der aktuellen Diskussion gerne hergenommen, um die derzeitigen Verhältnismäßigkeiten auszudrücken.

Hat Donald Trump mehr Verständnis verdient? Auf der einen Seite muss man feststellen, dass höhere Einfuhrzölle seitens der USA auf EU-Güter das Bild eher ausgleichen würden. Auf der anderen Seite sollte man das Thema „Qualität“ der einzelnen Güter natürlich nicht völlig vernachlässigen. Es wäre jedenfalls wünschenswert, dass ein „faires Gleichgewicht“ auf einem möglichst niedrigen Zollniveau angestrebt wird. Aktuell scheint die gesamte Diskussion jedoch noch zu hitzig für diplomatische Lösungen zu sein.

Die EU verhält sich per se restriktiv und nennt dies „Schutz des Binnenmarkts“. Donald Trump agiert gewohnt emotional zur Abwechslung spielt China den rationalen Part und mahnt alle Teilnehmer zur Vernunft. China strebe eine ausgeglichene Bilanz von Exporten und Importen an und die Märkte sollen sich weiter öffnen, so Chinas Premierminister Li Keqiang. Dennoch sind zahlreiche Anleger in großer Sorge, dass dieser lobenswerte Pragmatismus irgendwann aus der Diskussion verschwindet und sich die gegenseitig auferlegten Zölle zu einem Handelskrieg aufschaukeln.

Parallele zur Wirtschaftskrise der 1930er Jahre?

Gerne wird der historische Vergleich zu den 1930er Jahren bemüht, als die USA mit einem gigantischen Maßnahmenkatalog, bekannt als Smoot-Hawley Tariff Act aus dem Jahre 1930, den globalen Handel innerhalb weniger Jahre kollabieren ließen. Allerdings ist die heutige wirtschaftliche Lage viel robuster und die globale Vernetzung weit fortgeschritten. Die Verflechtungen in der globalen Wirtschaft sind mittlerweile derartig komplex, dass man schon sehr genau analysieren muss, um die wahren Gewinner und Verlierer einer Zollmaßnahme zu identifizieren. Zudem schreckt die WTO auch nicht davor zurück, diverse Maßnahmen als illegal zu deklarieren eine Art regulative Institution, die eventuelle Auswüchse protektionistischer Zollpolitik eingrenzen kann.

Fazit: Die Diskussionen rund um einen möglichen globalen Handelskrieg werden hitzig bleiben. Für Anleger bleibt es empfehlenswert, der medialen Berichterstattung mit dem nötigen Pragmatismus zu begegnen. Der laufende Bullenmarkt wird wohl auch diese Hürde meistern können.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Firmengründer und Chief Investment Officer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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