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Wo ist die Ware?

Donnerstag, 5. August 2021 um 08:58

Von Bernd Niquet

In der vergangenen Woche war ich zum ersten Mal seit dem Herbst 2019 wieder etwas einkaufen. Abgesehen natürlich von Lebensmitteln und Drogeriesachen. Denn ich brauche ja eigentlich nichts, und wenn doch, dann bestelle ich es mir über das Internet.

Doch Bettlaken gehen nicht übers Netz. Da habe ich zweimal eines bestellt, es dann vor dem zweiten Waschen wieder weggeworfen. Bettlaken muss man fühlen – und das geht nur persönlich.

Obwohl es mich bis an die Grenze nervt, muss es jetzt sein mit dem Besuch eines Kaufhauses. Ich fahre also los zu Karstadt. Schön, dass es das immer noch gibt. Und erneut finde ich eine Frau, die wirklich Ahnung hat und erkennt, was ich will.

Ich bin dann jedoch mächtig erstaunt. Denn von dem Laken in der Qualität und Farbe, wie ich mir das vorgenommen hatte und weswegen ich extra diesen Weg auf mich genommen habe, bekomme ich das allerletzte.

Ja, sagt die Frau, es gibt Lieferprobleme. Lieferprobleme? Welche Lieferprobleme? Na ja, das kommt ja alles aus Asien und da… . Sie erzählt mir irgendetwas von Häfen und so. Doch ich denke, das ist lange vorbei. Aber anscheinend nicht.

Bei der Bassetti Bettwäsche ist das dann völlig anders. Die kann ich notfalls auch im Netz bestellen, denn da weiß ich, was ich bekomme, und die wird auch in Italien gefertigt. Und Italien verschifft meines Wissens nach nicht über asiatische Häfen.

Ich bedanke mich bei der netten Verkäuferin und sie sagt noch zu mir: Bei der Elektronik sind die Lieferengpässe noch weit schlimmer. Ich gehe daraufhin einmal in den Saturn-Markt nebenan und frage den nächstbesten Verkäufer. Der bestätigt mir, was die Verkäuferin eben gesagt hat.

Wenn jetzt also mein Fernseher kaputt geht, dann habe ich Schwierigkeiten einen neuen zu bekommen, frage ich ihn. Im Moment haben wir noch welche, sagt er, doch wenn sie zu Weihnachten einen verschenken wollen, dann würde ich mich langsam aufmachen.

Ziemlich konsterniert verlasse ich den Laden. Wie kann das sein? Warum habe ich darüber nichts gelesen und warum reflektiert die Börse das nicht? Wie können die Aktien auf historischem Höchststand stehen, wenn es bald keine Ware mehr zu verkaufen gibt? Oder zumindest signifikant welche fehlt?

Und sind von daher die Prognosen einer ansteigenden Inflation nicht doch richtig? Ich weiß das ja vom Baumaterial, dass das knapp ist und enorm im Preis ansteigt. Doch wenn das jetzt ein breitbandiges Phänomen wird?

Das war, wie gesagt, in der vergangenen Woche. Und danach passiert fast so etwas wie ein Wunder, denn plötzlich schießen überall die Artikel über Warenknappheit nur so aus dem Boden, wie die Pilze nach einem feuchten Sommer wie dem von diesem Jahr. Oder ist das meine selektive Wahrnehmung?

Jetzt lese ich die unglaublichsten Dinge: Hinter den Knappheiten stecken die unterschiedlichsten Gründe, von Logistik-Störungen durch die Flutkatastrophe über coronabedingt eingeschränkte Lieferketten bis zu einem geschlossenen Hafen in China. Die daraus folgende Knappheit bei den Vorprodukten dämpfe die Produktionspläne der Unternehmen, sagt er VDMA.

Und für fast zwei Drittel der deutschen Industrieunternehmen bilden Engpässe und Probleme bei Vorlieferungen derzeit ein Hindernis für die Produktion, so das Ergebnis einer Umfrage des Ifo-Instituts. Allein von April bis Juli sei dieser Anteil von 45 auf 63,8 Prozent gestiegen, was einen nie zuvor erreichten Wert darstellt.

Und die Inflation? Hier passiert genauso etwas Merkwürdiges. Denn natürlich berichten alle Zeitungen, dass sich diese Effekte bereits in den Preisen niederschlagen oder das demnächst tun würden. Doch genau an dem Morgen, an dem ich diese Kolumne schreibe, erzielt der Bund-Future, der vorher seit Jahresanfang aufgrund von Inflationssorgen total durchhing, vorbörslich ein neues Alltime-High.

Ist das zu verstehen? Nein, das ist es nicht. Und nicht nur das, es passt auch alles überhaupt nicht zusammen.

 

Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet

 

******* Von Bernd Niquet ist ein n e u e s Buch erschienen *******

Bernd Niquet, „Jenseits des Geldes. SECHSTER TEIL“, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2020, 621 Seiten, 22 Euro

Am besten portofrei direkt beim Verlag bestellen: www.engelsdorfer-verlag.de

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Bernd Niquet und seine Tagebücher: „Der wirkliche Donnerschlag kommt dann mit Verzögerung. Auch braucht mein Inneres einige Zeit, um ihn zu realisieren. Doch als die Dinge dann klar sind und in mir sacken, mache ich etwas, was ich vorher beim Tagebuchschreiben noch niemals gemacht habe. Ich unterstreiche die wichtigen Passagen nicht wie sonst mit meiner blauen Tinte, sondern mit schwarzem Filzstift. Einunddreißig Jahre schreibe ich mittlerweile Tagebuch, das zeigt die Dimension. Hinterher bin ich selbst erschrocken. Das Tagebuch sieht jetzt aus, als sei jemand gestorben. Und in meinem Inneren fühlt es sich auch tatsächlich so an.“

Bernd Niquet ist Jahrgang 1956 und lebt in einem ruhigen Außenbezirk von Berlin. Die vorangegangenen fünf Teile von „Jenseits des Geldes“ sind ebenfalls im Engelsdorfer Verlag erschienen und zwar in den Jahren 2011, 2012, 2013, 2018 und 2019.

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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