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Aktien und Anleihen unter der Lupe

Donnerstag, 21. September 2023 um 17:33

Von Thomas Grüner
Ist ein Paradigmenwechsel bei der Korrelation zwischen Aktien und Anleihen im Gange? Zahlreiche Experten befürworten diese These und weisen darauf hin, dass sich Staatsanleihen nicht mehr gegenläufig zu den Aktienmärkten bewegen. Und da viele Anleger auf die traditionelle Annahme setzen, dass Anleihen das Aktienrisiko „wirksam absichern“ und die Volatilität des Gesamtportfolios zuverlässig verringern, ist vielleicht sogar ein Umdenken im Bereich der Portfoliokonstruktion gefragt. Leben wir wirklich in einer veränderten Anlagewelt?

Kein signifikanter Zusammenhang

Sicherlich ist die jüngste Wertentwicklung verantwortlich dafür, dass sich die Idee eines möglichen Paradigmenwechsel weitläufig etabliert hat. Im Rahmen eines schwierigen Aktienjahres 2022 federten Staatsanleihen nicht etwa die negative Bewegung der Aktienmärkte ab, sie tendierten ebenfalls teilweise deutlich nach unten. Im Jahr 2023 erholten sich die Aktienmärkte und phasenweise steigerten sich Staatsanleihen ebenso im Wert, wodurch der Eindruck entstanden ist, dass mittlerweile eine Parallelbewegung zwischen Aktien und Anleihen vorherrschend ist.

Die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen ist 2022 tatsächlich in den positiven Bereich gewandert und hat mittlerweile in der 12-Monats-Betrachtung einen Wert von 0,35 erreicht. Dabei steht der Wert von 1 für eine perfekte Parallele, minus 1 für eine perfekte Gegenläufigkeit. In den vergangenen 20 Jahren lässt sich feststellen, dass die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen überwiegend negativ war. Unterbrochen wurde dieser Trend um die Jahre 2007 und 2014 herum, wobei der positive Korrelationswert niemals so hoch war wie heute. Dies scheint die These zu stützen, dass eine negative Korrelation „normal“ ist, allerdings ist das Bild in den 90er Jahren ein ganz anderes – hier lief die Korrelation von 0,01 im Jahr 1993 bis auf den Höchstwert von 0,72 im Jahr 1997. Insgesamt beträgt die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen in den vergangenen drei Jahrzehnten minus 0,11 – es besteht also im übergeordneten Bild kein signifikanter Zusammenhang.

Unabhängige Treiber

Beim Renditevergleich zwischen Aktien und Anleihen existieren Trends, die mehrere Jahre überdauern, im übergeordneten Bild lässt sich jedoch kein eindeutiger Zusammenhang ableiten. Das macht auch definitiv Sinn, denn Aktien und Anleihen haben unterschiedliche Antriebskräfte. Aktien bewegen sich am stärksten aufgrund der Diskrepanz zwischen Erwartungshaltung und der politischen und wirtschaftlichen Realität. Inflation und Inflationserwartungen bestimmen hauptsächlich die Renditen von Staatsanleihen. Kein Wunder also, dass sie sich weitgehend unabhängig voneinander bewegen.

Fazit: Im Endeffekt ist die Korrelation nur ein mögliches Maß für die Wirksamkeit von Anleihen bei der Abfederung großer Aktienschwankungen. Ein weiterer Aspekt ist die Volatilität, genauer gesagt die Standardabweichung der durchschnittlichen annualisierten Renditen, jeweils für Aktien als auch für Anleihen berechnet. Hier zeigt sich, dass Anleiherenditen über kürzere Zeithorizonte weit weniger schwanken als Aktienrenditen – unabhängig von der Korrelation der beiden Anlageklassen, die wie erwähnt durchaus schwanken kann. Tendenziell macht eine Beimischung von Anleihen in einem Aktienportfolio also insofern Sinn, wenn die kurzfristige Volatilität reduziert werden soll – sowohl bei einer positiven als auch bei einer negativen Korrelation. Und wie so oft gilt es beim Investieren zu beachten: Kurzfristige Garantien gibt es dafür nicht.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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