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Realität schlägt Erwartungen

Donnerstag, 8. Februar 2024 um 23:54

Von Thomas Grüner
Während die Skepsis bezüglich Wirtschaft und globalen Aktienmärkten tendenziell weiter hoch bleibt, zeigen mittlerweile wieder viele Veröffentlichungen, dass die Realität ein gutes Stück besser ist als die Erwartungshaltung. Ein Beispiel? Schauen wir in die USA: Das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2023, welches annualisiert um 3,3 Prozent wachsen konnte. Gleichzeitig sind viele davon überzeugt, dass die Entwicklung so nicht weitergehen werde. Diese Diskrepanz deutet darauf hin, dass das Jahr 2024 viele Sorgen bezüglich weiterer wirtschaftlicher Entwicklungen bereithält, was Aktienmärkten positive Überraschungsmomente ermöglichen sollte.

Erwartungshaltung ist niedrig

So verlangsamten sich mit Konsumausgaben, Wohnimmobilien und Unternehmensinvestitionen zwar die drei wichtigsten Komponenten des Privatsektors im vierten Quartal von 2,6 Prozent im dritten Quartal auf ein Jahreswachstum von 2,2 Prozent, doch war das Wachstum dennoch wesentlich höher, als von vielen befürchtet. Viel eher deuten diese Entwicklungen darauf hin, dass hohe Zinsen, global eskalierende Kriege und immer noch eine belastende Inflation die stabile Wirtschaft nicht in ein Ungleichgewicht bringen können. Beobachter hingegen weisen darauf hin, dass die negativen Auswirkungen lediglich verzögert seien. Zwar fällt der Begriff einer drohenden Rezession immer seltener, doch gibt es weiterhin viele Zweifler, die den weiteren Verlauf des Wirtschaftswachstums in Frage stellen.

Unternehmen stehen bereit, in die Offensive zu gehen

Das ist auch gut so. Es bedeutet, dass die Erwartungen nicht über die Realität hinausgehen und die Skepsis noch immer vorhanden ist. Die Messlatte bleibt niedrig. Und Unternehmen haben zwei Jahre lang in Erwartung einer Rezession, die nicht eingetreten ist, Einsparungen vorgenommen. Sie gehen schlank in das Jahr 2024, während die robuste globale Nachfrage Expansionsmöglichkeiten schafft. Vieles deutet darauf hin, dass sich die Unternehmensinvestitionen in Zukunft wesentlich erhöhen werden, selbst wenn die Zinsen weiter hoch bleiben sollten.

Kreditvergabe sollte Rückenwind liefern

Doch wie kommt es zu einer solchen Entwicklung? Die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen war zuletzt rückläufig, doch kann dies zum einen durch eine restriktivere Kreditbereitschaft ausgelöst worden sein oder dadurch, dass Unternehmen an anderer Stelle bessere Konditionen erhielten. Bei den privaten Krediten gab es im vergangenen Jahr Anzeichen für einen starken Aufschwung. Die Emission von Unternehmensanleihen stieg im vergangenen Jahr um 5,4 Prozent und übertraf damit die Inflation. Insgesamt sieht es also so aus, als hätten die Unternehmen immer noch reichlich Zugang zu Finanzmitteln. Das ist ein übersehenes Plus. Wenn eine wieder ansteigende Zinsstrukturkurve dazu beiträgt, dass die Kreditvergabe an Unternehmen im Lauf des Jahres ansteigt, umso besser.

Fazit: Zwei Jahre mit Rezessionsängsten haben einiges bewegt. Das Vertrauen der CEOs war zuletzt niedrig, Investitionsausgaben zurückhaltend. Die Neuemissionen von Anleihen waren rückläufig und die Kreditnachfrage begrenzt. Nun sieht man in allen Komponenten Anstiege – Unternehmen stehen bereit, in die Offensive zu gehen. Die Rezession kam nie, die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen war dauerhaft stabil. Das sollte zu einer erhöhten Investitionstätigkeit, Margenausweitung und steigenden Gewinnen der globalen Unternehmen führen. Und zu positiven Überraschungen am Aktienmarkt.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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