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China und Inflation

Donnerstag, 28. Mrz 2024 um 22:54

Von Thomas Grüner
Seitdem die chinesische Regierung ihr BIP-Wachstumsziel von „rund fünf Prozent“ für 2024 erneuert hat, fragen sich die Anleger, wie China dieses Ziel erreichen will. Wie würden sie die Anzeichen einer schwachen Verbrauchernachfrage, die Nachwirkungen des Immobiliencrashs, nachgelagerte Folgen der strengen Regulierung im Technologiesektor und US-Exportbeschränkungen angehen? Die Idee lautet: Umfangreiche öffentliche Investitionen in die Fertigung und die Infrastruktur, um „neue, hochwertige Produktivkräfte“ zu fördern.

Ökonomen skeptisch

Die New Yorker Fed hat dazu einen interessanten Bericht veröffentlicht. Ihre Ökonomen kommen zu dem Schluss, dass die industrielle Stimulierung die Gefahr eines „Zuckerhochs“ in Chinas Wirtschaft birgt, das zu einem schnellen, aber nicht nachhaltigen Wachstum führt. Die Inflation soll das vielerorts in der Welt in die Höhe treiben. Dem steht die konventionelle Meinung entgegen, dass die Stimulierung und die subventionierten chinesischen Exporte den Westen mit billigen Waren überschwemmen werden, was gerade in den USA zu einer Disinflation oder vielleicht sogar Deflation führen könnte. Die Ökonomen der New Yorker Fed halten diese Überschwemmung mit billigen Exporten zwar für wahrscheinlich, argumentieren aber, dass das schnellere Wachstum innerhalb Chinas dies aufwiegen und die Nachfrage (und den Wettbewerb) nach globalen Importen ankurbeln wird, während der Produktionsschub das globale Rohstoffangebot aufsaugt, was die Preise für natürliche Ressourcen in die Höhe treibt und die Lieferketten wieder in Gang bringt.

Interessanter Hinweis auf die Stimmung

Wenn man bedenkt, wie lange die Welt eine harte Landung Chinas gefürchtet hat, könnte man annehmen, dass die Aussicht auf ein schnelleres Wachstum dort die Anleger erfreuen würde. Aber das scheint nicht der Fall zu sein, negativ angehauchte wissenschaftliche Artikel und Diskussionen sind vorherrschend. Selbst diejenigen, die ihre These nicht bis zur Wiederbeschleunigung der weltweiten Inflation ausdehnen, sehen in einem chinesischen Aufschwung den potentiellen Auslöser für einen Handelskrieg und nicht eine Starthilfe für den globalen Wirtschaftsmotor. Dies ist die Art von Reaktion, die wir zu Beginn eines Bullenmarktes erwarten würden, wenn der Pessimismus des Unglaubens regiert und alle guten Nachrichten als heimlich schlecht oder bald schlecht angesehen werden. Heute, fast anderthalb Jahre nach dem Tiefststand der globalen Aktienmärkte, sind wir nicht mehr so pessimistisch. Aber die allgemeine Stimmung in Bezug auf China zeigt, dass der Markt nach wie vor sehr skeptisch ist, was einen Kontrapunkt zu all dem Gerede über KI-Hype-Blasen darstellt.

Fazit: Insgesamt glauben wir also nicht, dass Chinas neue Wachstumsstrategie viel für die entwickelten Märkte bedeutet, weder zum Guten noch zum Schlechten. Eine Gegenreaktion auf billige subventionierte Importe sollte man im Auge behalten, denn es besteht die entfernte Möglichkeit, dass sie zu einem Handelskrieg führen könnte, aber das ist noch in weiter Ferne und kaum gegeben. Fehlallokationen bei den Investitionen, die in China zu Gewinnern und Verlierern führen, sind ebenfalls ein Risiko – aber da China von den globalen Märkten isoliert ist, erscheint es unwahrscheinlich, dass die Folgen auf andere Länder übergreifen. Höchstwahrscheinlich wird China weiterhin mit allmählich langsameren Raten wachsen, so wie es vor der Pandemie der Fall war. Das ist der Status quo, mit dem die Märkte schon seit einiger Zeit gut zurechtkommen.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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