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Was jetzt wichtig ist

Donnerstag, 24. Februar 2022 um 07:15

Von Bernd Niquet

„Was soll denn dieses Schriftstück? Sie richten ihre Waffel auf mich? Das ist ja zum Lachen.“
„Das heißt Waffe!“
„Heißt es nicht!“
„Heißt es doch!“

Ob hier jemand ein Ding an der Waffel hat? Und wenn ja, dann wer?

Zwei Dinge zum Russland-Ukraine-Konflikt scheinen mir gegenwärtig wenig Beachtung zu finden, ich möchte daher darauf einmal hinweisen.

Das, was jetzt kommt, kann man jedoch vielleicht nur dann wirklich nachempfinden, wenn man in West-Berlin großgeworden ist. Oder auch als nicht-regimetreuer ehemaliger DDR-Bürger.

Wir Eingemauerten von 1961 bis 1989 haben einen großen Preis für den Frieden in Europa bezahlt, von dem die dummen Westdeutschen gar nichts wissen.

Und wie sehr haben wir die Russen gehasst, die Politik natürlich und nicht die Menschen dort, und wie sehr hassen wir sie auch heute wieder.

Doch wir wissen auch um das Wunder, das uns allen widerfahren ist. Und eigentlich haben wir uns dafür recht wenig dankbar gezeigt, oder?

Natürlich muss in einer freien Welt jedes Land seine eigenen Verbündeten frei wählen dürfen. Doch was würden Sie sagen, wenn sie ihrem Nachbarn für zwei Kugeln Eis ihren Vorgarten übereignen und der dann dort mit Nuklearmaterial jongliert?

Wenn man mich in den 80er Jahren nach den drei Dingen gefragt hätte, die ich in Europa am unwahrscheinlichsten halte, würde ich rückblickend sagen: Dass die Mauer fällt, dass die Russen aus Deutschland abziehen und dass sie ihre Satellitenstaaten freilassen.

Hätte Helmut Kohl damals die historisch einmalige Chance nicht genutzt, hätten wir heute im Ostteil unseres Landes russische Soldaten stationiert. Dagegen sollten die heutigen Probleme eigentlich handhabbar sein. Gewesen sein. Eigentlich.

Jetzt komme ich zu meinen beiden Punkten:

(1) Gerade kürzlich ist ein Papier aufgetaucht, dass in den Verhandlungen nach 1989 der Westen Russland zugesichert hat, dass in Deutschland östlich der Elbe nur die Bundeswehr mit konventionellen Waffen stationiert werden darf, jedoch keine ausländischen Streitkräfte oder schon gar nicht mit Atomwaffen.

Das macht natürlich viel Sinn und ist auch mehr als fair. Es ist aber nicht in den Verträgen schriftlich fixiert worden.

Und es gibt ja auch noch einige andere Länder östlich der Elbe.

(2) Schriftlich gefasst ist jedoch der Vertrag, von dem heute hierzulande wohl kaum jemand weiß, nämlich dass die Ukraine, die beim Mauerfall über die drittgrößte Anzahl an Atomwaffen weltweit verfügte, im Jahre 1994 die freiwillig an Russland übergibt.

Und das gegen die Zusicherung der USA, Großbritannien und Russlands, das Land nicht anzugreifen und die territoriale Integrität der Ukraine zu wahren.

Russland hat nur zwanzig Jahre gebraucht, um 2014 dieses Versprechen und diesen Vertrag zu brechen.

Wir im Westen haben dagegen gegen keinen Vertrag verstoßen. Doch sind wir nicht verdammt hochnäsig und arrogant? Wir haben die Weisheit gepachtet und neben unseren fetten Arsch passt kein Blatt Papier mehr mit anderen Ansichten.

Ich fürchte, die Ukraine wird in gewisser Weise das Schicksal Berlins zu tragen haben. Daran führt wohl kein Weg vorbei. Mir tut das in der Seele leid und meine Sympathie für die Ukrainer könnte nicht größer sein.

Ich hoffe nur, es hat nicht wirklich jemand ein Ding an der Waffel. Oder gleich mehrerere.

 

Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet

 

******* Von Bernd Niquet ist ein n e u e s Buch erschienen *******

Bernd Niquet, „Jenseits des Geldes. SIEBENTER TEIL“, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2021, 635 Seiten, 22 Euro

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In Kleists Drama "Penthesilea" geht es um den Konflikt zwischen einem gefühlsintensiven Individuum und der gesellschaftlichen Ordnung, die diesen Gefühlen entgegensteht. Penthesilea, die Königin der Amazonen, erobert im Kampf Männer, um sie zur Zeugung neuer Kriegerinnen mitzunehmen. Nach vollzogenem Zeugungsakt entlässt sie die Männer wieder in die Freiheit. Nur ihrem Geliebten stellt sie nach, was diesen letztlich sein Leben kostet. Kann es sein, dass ich in meinem Leben mehrmals nur haarscharf an vielem aus dieser Tragödie vorbeigeschrappt bin? Und dann ist ja auch noch Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist nur unweit meiner Wohnung freiwillig aus dem Leben geschieden.

Bernd Niquet ist Jahrgang 1956 und wohnt am wunderschönen grünen Rand seiner ansonsten mittlerweile ungeliebten Heimat Berlin. Die vorangegangenen sechs Teile von „Jenseits des Geldes“ sind ebenfalls im Engelsdorfer Verlag erschienen und zwar in den Jahren 2011, 2012, 2013 sowie 2018, 2019 und 2020.

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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