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Der Markt schafft das nicht

Donnerstag, 30. Juni 2022 um 08:20

Von Bernd Niquet

Also wenn Sie mich jetzt einmal ganz direkt fragen würden, dann würde ich aus der Hüfte geschossen sagen, dass wir die Sache mit der Ukraine und Russland im Grunde total in den Sand gesetzt haben.

Immer wieder sind wir aufs Neue empört über das, was in der Ukraine passiert, und immer wieder beschließen wir neue Sanktionen gegen Russland, doch verändert hat sich dadurch nichts.

Im Gegenteil, letztlich haben wir uns selbst stranguliert, moralisch genauso wie finanziell.

Bald werden die unteren Einkommensschichten ihre Strom- und Heizrechnungen nicht mehr bezahlen können und wenn es ganz schlimm kommt, müssen ganze Industriezweige schließen. Andere hingegen zerstören sich gerade selbst, wie zum Beispiel die Reise- und Verkehrsbranche.

Und jetzt soll es nun die EZB richten, die Europäische Zentralbank soll die Inflation besiegen. Na viel Vergnügen, könnte man sagen, wenn es überhaupt noch etwas zu lachen gäbe, was jedoch leider nicht so ist.

Ich fürchte, dass diejenigen, die jetzt einen harten Kurs der EZB zur Inflationsbekämpfung fordern, in ähnlicher Weise träumen wie sie vorher von einer ewig sprudelnden billigen Energie aus einem friedliebenden Russland geträumt haben.

Denn was kann eine Notenbank tun, um eine Inflation zu bekämpfen? Sie kann nur die Wirtschaft abwürgen, ein weiteres Mittel steht ihr leider nicht zur Verfügung. So etwas ist sinnvoll in einer boomenden Ökonomie, die an ihre Kapazitätsgrenzen stößt und daher der Knappheit mit Preiserhöhungen begegnet.

Doch haben wir in Deutschland und im Euroland eine überschäumende Wirtschaft? Vielleicht eine vor Zorn, aber nicht eine, die vor Arbeit brummt. Ich würde eher sagen, wir sind auf einem absteigenden Ast, und ich bin mir sicher, dass wir spätestens im Herbst oder Winter in die Rezession schliddern werden.

Ich halte es daher nicht für angebracht, zu versuchen, die Inflation mit der Geldpolitik zu bekämpfen. Auch mit der Fiskalpolitik nicht, wie es Finanzminister Lindner ja täglich proklamiert, dass der Staat jetzt sparen müsse. Nein, gerade das sollte er nicht. Und pleite ist er doch ohnehin schon.

Ja, ich glaube, der Markt wird es nicht richten können, die Inflation einzudämmen. Wir haben es hier nämlich mit einem ähnlichen Fall zu tun wie bei Corona, es sind externe Einflüsse, die da auf uns einwirken. Und die müssen wir schlicht aushalten. Es wird keinen anderen marktwirtschaftlichen Weg geben.

Aushalten und versuchen, durch eigentlich marktwidrige Preisstopps und staatliche Transfers das Schlimmste zu verhindern.

Nun könnte man natürlich einwenden, dass wir doch schon in den 70er Jahren zwei Ölkrisen hatten, in denen wir sehr wohl mit einer harten Zinspolitik die Inflation erfolgreich bekämpft haben. Warum also heute nicht wieder?

Weil es da gravierende Unterschiede gibt: Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es nahezu nur aufwärts, die Staatsfinanzen waren solide, da konnte man das Anfang der 70er Jahre tun. Außerdem ging es damals nur um das Öl, heute jedoch um sämtliche Energie und auch fast um alle Lebensmittel.

Heute wäre eine Rezession wesentlich schwerer auszustehen und anlässlich des Euros eigentlich überhaupt nicht. Die Bundesrepublik für sich würde das sicherlich packen, einige andere Nordstaaten auch, doch was ist mit den schwachen Schuldnern aus dem Süden?

Wollen wir gleichzeitig die Inflation bekämpfen und den Euro halten? Das wird nicht möglich sein. Denn gleichzeitig weniger und mehr Geld, das geht nicht.

Wenn man den Point of no Return überschritten hat, ist der Weg zurück versperrt. Dumm gelaufen, aber wahr.

Doch ich bin keinesfalls überpessimistisch. Wir werden uns da schon durchwursteln. Wir sind wie ein Boxer, der einen Niederschlag erlitten hat. Doch eine Bodenberührung ist kein k.o..

Aus meiner Sicht dürfen wir jetzt nur nicht versuchen, die Patentrezepte aus der 1. Runde auszupacken, wenn wir in der 9. Runde auf dem Boden liegen. Die ideale Welt war gestern. Auch für Grüne.

Let´s face reality, the dream is over.

 

Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet

 

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Bernd Niquet, „Jenseits des Geldes. SIEBENTER TEIL“, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2021, 635 Seiten, 22 Euro

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In Kleists Drama "Penthesilea" geht es um den Konflikt zwischen einem gefühlsintensiven Individuum und der gesellschaftlichen Ordnung, die diesen Gefühlen entgegensteht. Penthesilea, die Königin der Amazonen, erobert im Kampf Männer, um sie zur Zeugung neuer Kriegerinnen mitzunehmen. Nach vollzogenem Zeugungsakt entlässt sie die Männer wieder in die Freiheit. Nur ihrem Geliebten stellt sie nach, was diesen letztlich sein Leben kostet. Kann es sein, dass ich in meinem Leben mehrmals nur haarscharf an vielem aus dieser Tragödie vorbeigeschrappt bin? Und dann ist ja auch noch Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist nur unweit meiner Wohnung freiwillig aus dem Leben geschieden.

Bernd Niquet ist Jahrgang 1956 und wohnt am wunderschönen grünen Rand seiner ansonsten mittlerweile ungeliebten Heimat Berlin. Die vorangegangenen sechs Teile von „Jenseits des Geldes“ sind ebenfalls im Engelsdorfer Verlag erschienen und zwar in den Jahren 2011, 2012, 2013 sowie 2018, 2019 und 2020.

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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